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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Januar 2012?

von Thomas A. Spörer

KID Januar 2012

Chart grösser

... stabil mit Warnsignalen

Die bärenstarke 51. KW

... begann mit dem NAHB Housing Index, der mit +21 nach revidiert +19 Punkten positiv überraschte. Der Index der deutschen Erzeugerpreise legte im November minimal um +0.7 zu, die Jahresrate sank zum vierten Mal, diesmal von +5.3% auf +5.2%. Preistreiber blieb die Energie, ohne die die Rate nur +2.6% betrug. Das GfK Konsumklima blieb mit erneut +5.6 stabil. Die Konjunkturerwartungen legten erstmals nach fünf Rückgängen wieder zu, die Einkommenserwartungen verbesserten sich erneut, nur die Anschaffungsneigung kam auf weiter hohem Niveau etwas deutlicher zurück. Der private Konsum bleibt ergo auch über den Jahreswechsel weiter konjunkturstützen. Der ifo Index folgte dem KID und überraschte die Experten mit einem Anstieg von 106.6 auf 107.2 Punkte beim Geschäftsklima. Die Lage-Komponente blieb mit 116.7 zum dritten Mal auf hohem Niveau unverändert, die Erwartungen stiegen von 97.3 auf 98.4 Zähler. Von "German Angst" ergo sowohl bei Konsumenten wie Unternehmen derzeit keine Spur. Der ifo-Kommentar bestätigte die KID-Aussage vom Dezember zur relativen Normalität der Wirtschaftsentwicklung ohne Anzeichen eines drastischen Einbruchs: ?Wir sind in einer moderaten Abkühlung?. Die einzig erkennbaren deutschen Probleme liegen in den politisch-misswirtschaftlich und krisenhaft verwalteten Staatshaushalten.

Der TCB Leading Index Germany wurde rückwirkend kräftig aufwärts revidiert und zog dazu für Oktober  nach fünf Rückgängen erstmals wieder von 106.1 auf 106.4 Punkte an. Die US Chain Store Sales machten mit 531.8 nach 514.4 einen vorweihnachtlich großen Satz nach oben. Gute Nachrichten auch vom US-Immobilienmarkt, die Neubaubeginne überraschten mit +9.3% sehr kräftig, während die mehr zukunftsorientierten Baugenehmigungen um +5.7% zulegen konnten. Experten hatten hier mit Stagnation bzw. sogar einem klaren Rückgang gerechnet. Die Existing Home Sales sahen auf den ersten Blick schwach aus, da die National Association of Realtors eine mehrjährige Abwärtsrevision durchführte. Tatsächlich ergab sich im November ein Plus von +4.0%. Die US Unemployment Claims zeigten jahresendbedingt noch 364.000 nach revidiert 368.000 Erstanträgen. Die endgültige dritte Schätzung zum US-BIP im dritten Quartal brachte eine leichte Abwärtsrevision, die saisonbereinigt annualisierte Jahresrate sank von +2.0% auf +1.8%. Damit ergibt sich jedoch ein Plus gegen das zweite Quartal mit annualisiert nur +1.3% Wachstum. In europäisch üblicher Berechnungsweise ergeben sich im dritten final nun +1.46% nach +1.63% im zweiten Quartal.

Der Chicago Fed CFNAI zeigte für November einen Rücksetzer von revidiert -0.11 auf -0.37 Punkte. Dieser ungewöhnlich konstruierte "National Activity Index" definiert eine Rezession erst ab -0.70, während die Null nur einer Trendfortsetzung auf dem bisherigen Niveau entspricht. Beim TCB US Leading Index gab es im November einen weiteren Anstieg von 117.4 auf 118.- Zähler. Das endgültige Dezember-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan machte nach 64.10 im November und 67.7 zur Monatsmitte bei nun erwarteten 68.1 einen weiteren deutlichen Sprung bis auf 69.9 Punkte. Bei den Mass Layoffs herrschte relative Stagnation, die Zahl der angekündigten Ereignisse sank etwas, dafür legte die der davon betroffenen Arbeitnehmer leicht zu. Der FHFA Hauspreisindex zeigte für Oktober -0.2%.

Die vorläufigen US Auftragseingänge langlebiger Güter für November überraschten kräftig positiv. Statt der erwarteten +2.2% waren +3.8% zu verbuchen, das kleine Minus des Oktobers wurde auf eine runde Null hochrevidiert. Ex Rüstung betrug der Zuwachs +3.7%, ex Transport lediglich +0.3% - es standen ergo große zivile Flugzeugbestellungen in den Auftragsbüchern, Investitionsgüter ohne Flugzeuge gaben -1.2% ab. Die US New Home Sales lagen mit +1.6% gegen Vormonat über Erwartung, gegen Vorjahr ergaben sich +9.8%. Der ECRI WLI verlor in langsamer Bodenbildung einen Punkt von 122.3 auf 121.3. Auch der Baltic Dry gab zur Weihnachtspause auf 1738 nach, der Harpex rutschte leicht auf glatte 400 Punkte. Im Fazit eine Vorweihnachtswoche, die uns etliche überraschend starke Daten bescherte - mit denen die zumeist eher depressiv eingestellten Analysten vorher nicht kalkuliert hatten.

Die 52. KW

... brachte einen Case Shiller Hauspreisindex, der mit -0.62% statt der erwarteten -0.40 etwas schwächer ausfiel. Der Richmond Fed Index verbesserte sich von glatt Null auf plus 3 Punkte. Das TCB US-Verbrauchervertrauen legte zum Jahresende kräftig von revidiert 55.2 auf 64.5 und ein 8-Monats-Hoch zu, die Lage wurde mit 46.7 nach 38.3 deutlich positiver eingeschätzt, die Erwartungen verbesserten sich um einen "vollen Zehner" von 66.4 auf 76.4 Punkte. Die US-Konsumenten legten im Endspurt noch einmal zu und brachten den ICSC-Index der Chain Store Sales von 531.8 auf 536.6 nach vorn. Bei den US Unemployment Claims ergaben sich 381.000 nach revidiert 366.000 Erstanträgen.

Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise lagen im Dezember +0.7% höher, die Jahresrate sank jedoch zum dritten Mal auf +2.1%. Der Jahresschnitt 2011 errechnet sich mit +2.3%, Schwerpunkt blieben die Energiekosten. Die US Pending Home Sales legten mit +7.3% erneut kräftig zu und erreichten ein neues Hoch seit April 2010. Der Kansas City Fed Index enttäuschte, er gab von +4 auf -4 Punkte nach und lag damit erstmals seit zwei Jahren leicht im negativen Terrain. Der Chicago PMI Einkaufsmanagerindex stagnierte mit 62.5 nach 62.6 Zählern, was aber klar über den erwarteten 60.1 blieb. Der ECRI WLI gab erneut leicht von 121.3 auf 120.9 ab. Der KID schloß das Jahr 2011 mit einem verstärkten Aufwärtshaken. Damit haben wir zwar nur im relativen Vergleich schon ein "deutsches Wintermärchen", aber trotzdem einen positiven Ausblick auf 2012. Auch der deutsche Einzelhandel war nach schleppendem Beginn durch die starken Vorweihnachtstage und die hohen Online-Umsätze am Ende zufrieden mit dem 2011er Weihnachtsgeschäft.

Die datenreiche 1. KW 2012

... begann mit guten Nachrichten aus China. Der CFLP Einkaufsmanagerindex stieg mit 50.3 nach 49.- wieder leicht über die Wachstumsschwelle. Für die europäischen Industrie-Einkaufsmanager bestätigte Markit den Vorabwert von 46.9 nach 46.4 Zählern. Der deutsche Teilindex landete mit 48.4 Punkten etwas über der Vorabschätzung. Die Stimmung blieb insgesamt also weiter rezessiv. Die deutsche Arbeitslosenrate stieg im Dezember leicht von 6.4% auf 6.6%, die Zahl der Arbeitslosen nahm um +67.000 zu. Trotzdem war 2011 das Beste der letzten zwanzig Jahre mit einer Durchschnittsquote von 7.1% und einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von unter drei Millionen. Die US-Bauausgaben legten mit +1.2% deutlich über Erwartung zu. Die US Einkaufsmanager brachten ihren ISM-Index von 52.7 auf 53.9 Punkte und ein Zweieinhalbjahreshoch voran.

Die europäischen Einkaufsmanager der Dienstleister zogen ihren Markit-Index deutlich über Vorabschätzung von 47.5 bis auf 48.8 nach oben. Dadurch verbesserte sich auch der Gesamtindex incl. Industrie von 47.- auf 48.3 Zähler. Damit ist die Wachstumszone zwar noch nicht wieder erreicht, der Abwärtstrend jedoch zunächst gestoppt. Frankreich übertraf die Vorabschätzungen, Deutschland blieb am Ende leicht darunter. Großbritannien überraschte die Experten mit einem großen Satz aufwärts. Sylvester brachte einen erneuten Run bei den US Chain Store Sales, die von 536.5 auf 543.1 nach oben schossen. Der endgültige US Auftragseingang im November wurde mit insgesamt +1.8% bei erwarteten +2.1% angeben, wobei allerdings zuvor der Oktober von -0.4 auf -0.2 aufwärts revidiert wurde. Langlebige Güter legten final +3.7% zu, ex Rüstung ergaben sich +1.8% und ex Transport +0.3%. Zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge kamen um -1.2% zurück. Die US Unemployment Claims fielen zum Jahresende von revidiert 387.000 auf 372.000 Erstanträge.

Der ISM-Index der Einkaufsmanager der US-Dienstleister stieg für Dezember leicht von 52.0 auf 52.6 bei erwarteten 53.- Punkten. Der Challenger-Report zeigte mit -1.6% gegen November eine deutliche Verbesserung bei angekündigten Stellenstreichungen auf Sechsmonatstief. Die Jahresvergleichsrate zeigt aber immer noch +31% an, und das Gesamtjahr 2011 brachte eine durchschnittliche Zunahme von 11% mit eindeutigem Schwerpunkt auf dem ersten Halbjahr. Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum gab weiter leicht nach, hauptsächlich bedingt durch schwächere spanische Werte und einen Stimmungseinbruch in Italien. Der ESI Kombi-Index sank im Rahmen der Erwartungen von revidiert 93.8 auf 93.3 Punkte. Es war der zehnte Rückgang in Folge, bei allerdings deutlich nachlassender Dynamik. Dabei verlor das Verbrauchervertrauen von -20.4 auf -21.1, während das Industrievertrauen sich mit -7.1 nach -7.3 sogar minimal verbessern konnte. Dienstleister, Einzelhandel und Bau gaben jeweils etwas nach. Der deutsche Subindex stieg dennoch insgesamt von 104.- auf 105.- Punkte.

Der deutsche Auftragseingang sackte im November saisonbereinigt bei einem unterdurchschnittlichen Anteil an Großaufträgen um gesamt -4.8% in den Keller, wobei aus dem Ausland -7.8% und aus dem Inland -1.1% weniger Bestellungen eingingen. Die Konsenserwartung von insgesamt -1.8% wurde damit deutlich unterboten, Konsumgüter gaben -2.0% nach, Investitionsgüter -6.5%. Der Zweimonatsvergleich zeigt mit nur noch +0.2% Zuwachs den im vierten Quartal laufenden Test der Null-Linie. Beim deutschen Einzelhandel gab es Grund zum Feiern, 2011 brachte mit vorläufig +2.7% bis +2.9% den größten Jahres-Umsatzsprung seit der Wiedervereinigung. Der US Arbeitsmarkt präsentierte sich im Dezember freundlich: die Arbeitslosenrate sank erneut von 8.65% auf 8.51%, dazu wurden 200.000 neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft gemeldet und die Stundenlöhne zogen an.

Der ECRI WLI gab von abwärts revidiert 120.7 weiter auf 120.2 nach, die errechnete Wachstumsrate ging von -7.6 auf -8.2 zurück. ECRI hielt trotz inzwischen kontroverser Expertendebatte seinen "Recession Call" von Ende September für die USA weiter aufrecht. Das monatliche ECRI US-Inflationsbarometer USFIG zog im Dezember ganz leicht von aufwärts revidiert 98.4 auf 98.6 an, blieb damit aber nahe dem Jahrestief von 98.3 Punkten. Sein um einen Monat nachhängendes europäisches Gegenstück EZFIG sank per November weiter von 97.8 auf 97.3 Zähler. Der Baltic Dry begann das neue Jahr mit einem extremen Sturzflug vom 2011er Schlussstand bei 1738 ungebremst durch die 200-Tage-Linie bis auf 1347 Zähler - kein gutes Omen. Auch der Container-Harpex rutschte zum Jahresende noch durch die 400er-Marke auf 389 Punkte ab. Im Fazit ein sehr stark gemischter Jahresstart mit sowohl helleren wie dunkleren Facetten.

Die 2. KW mit Vorabzahlen zum deutschen Jahres-BIP 2011

... brachte einen neuen Konjunktur-Sentix, der sich mit einem Lichtblick dem KID anschloss. Für die Eurozone schwächte sich die Lage zwar noch um -1.5 Punkte von -17.25 auf -18.75 ab, die Erwartungen zogen jedoch mit einem Sprung um +7.0 Punkte von -30.5 auf -23.5 den Gesamtindex deutlich von -24.0 auf -21.1 nach oben - ein positiver Jahresanfang. Der deutsche Index legte kräftig von +4.4 auf +10.0 und den Stand von Juli 2011 zu, eine Rezession in D wird damit sehr unwahrscheinlich. Die Differenz zu "Rest-Europa" erreichte jedoch ein neues Hoch. Der USA Gesamtindex zog satte 12 Punkte auf +5.6 an, das globale Aggregat drehte mit +9.1 Zählern von -7.3 auf  +1.8 ebenfalls wieder zurück in die Pluszone. Der deutsche Export meldete sich per November mit +2.5% weit über Erwartung kraftvoll zurück. Die Importe stagnierten, sodass der Handelbilanzüberschuss deutlich anzog. Die deutsche Produktion im verarbeitenden Gewerbe meldete für November ein Minus von -0.6%, auf die Industrie errechneten sich -1.0%, während der Bausektor +4.5% zulegen konnte.

"Geld alle!" war das Fazit bei den US Chain Store Sales wie fast jedes Jahr in der ersten Januarwoche. Der ICSC-Index gab nach der Feiertags-Kauforgie diesmal besonders kräftig von 543.1 auf 513.6 Punkte oder um -5.43% nach - der stärkste Wocheneinbruch seit September 1989. Es folgte die Vorabschätzung für das deutsche Gesamtjahres-BIP 2011, aus der sich ex Revision schon ungefähre Rückschlüsse auf das vierte Quartal ziehen lassen. "3% Wachstum 2011 - Abschwung zum Jahresende" lauteten die Schlagzeilen. Auf Basis unrevidierter Daten bedeutet das einen Rückgang Q/Q im vierten Quartal zwischen -0.2% und -0.4% sowie auf Jahresbasis noch +1.8% nach zuvor +2.6%, +2.9% und +4.6% im Gesamtjahr. Diese +1.8% wurden vorläufig auch in die KID-Grafik übernommen. Damit hat die deutsche Wirtschaft insgesamt Stärke in ihrer vollen Breite gezeigt. Sie hat sowohl beim Export wie auf dem Binnenmarkt das Vorkrisenniveau erfolgreich wieder erreicht. Die im Verlauf stark nachlassende Dynamik ist zwar unübersehbar, von einer Rezession sind wir dennoch erfreulich weit entfernt.

Das Beige Book der FED zeigte sich mit "langsam stetigem Wachstum" der US-Wirtschaft im Ton etwas optimistischer. Destatis bestätigte die Vorabwerte der deutschen Inflationsrate von +2.1% im Dezember und +2.3% im Gesamtjahr. EZB-Präsident Draghi konstatierte "zaghafte Anzeichen" einer Stabilisierung, der Leitzins blieb unverändert. Die US Unemployment Claims zogen zu Jahresbeginn mit 399.000 nach revidiert 375.000 Erstanträgen wieder hoch an die 400.000er Marke. Die US Einzelhandelsumsätze blieben trotz der Kauforgie in den Chain Stores im Dezember mit nur +0.1% deutlich unter den erwarteten +0.3%, zuvor wurde jedoch der Vormonat noch um +0.2% heraufgesetzt. Ex Automobil ergab sich ein kleiner Rückgang von -0.2%.

Die OECD-Frühindikatoren dümpelten im Oktober vor sich hin, insgesamt kam ein kleiner Rückgang von 100.2 auf 100.1 dabei heraus. Die Eurozone verlor von 98.7 auf 98.3, Deutschland von 98.6 auf 97.9 Zähler, die USA legten dagegen von 101.- auf 101.2 zu. Die US-Handelsbilanz weitete sich im Dezember unerwartet stark von -43.27 auf -47.75 Mrd. USD aus, da die Exporte um -0.9% zurückgingen, während die Importe um +1.3% zunahmen. Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan legte zur Monatsmitte mit 74.- nach 69.9 erneut weit mehr zu als mit nur 71.5 erwartet wurde. Die Zukunftserwartungen verbesserten sich dabei besonders kräftig. Auch der ECRI WLI begann das Jahr positiv und gewann 1 Punkt von 120.2 auf 121.2, die Tendenz bleibt hier aber weiter nur seitwärts gerichtet. Der Baltic Dry verlor bedenklich massiv weiter bis 1053, der Harpex gewann zu Jahresbeginn +10 von 389 auf 399 Punkte. Jenseits aller Daten wurde die Woche dominiert von einem gezielt destruktiven US-Rating-Angriff auf die begonnene Entspannung der Euro-Schuldenkrise. Hier werden bei unbegrenzt weiter wachsender eigener Verschuldung verstärkte Reformbemühungen von Europa gefordert, die man dann mit geschickt terminierter Propaganda als selbsterfüllende Prophezeiung direkt wieder zu zerstören versucht. Man muss wohl "Transatlantiker" sein, um darauf als angemessene Reaktion nur "Gelassenheit" vorzuschlagen.

Die 3. KW

... lieferte, nachdem Standard&Poors auch noch dem europäischen Rettungsfonds EFSF einen Tritt unter die Gürtellinie verpassen musste, das chinesische BIP im 4. Quartal, das mit +8.9% nach +9.1% bei erwarteten +8.6% nur eine leicht abgeschwächte Wachstumsdynamik zeigte. Die deutschen Großhandelspreise zogen im Dezember +3.0% gegen Vorjahr an, liegen damit aber inzwischen wieder weit unter dem 2011er Jahresdurchschnitt, der mit +7.5% einen Dreissig-Jahres-Rekord aufstellte. Die ZEW-Konjunkturerwartungen starteten mit einer Rakete ins Jahr 2012, der Index legte um satte +32.2 von -53.8 auf -21.6 Punkte auf Sechs-Monats-Hoch zu. Ein fulminanter Jahresbeginn, der die vorher zu sehr abgesackte Stimmung korrigierte. Die zuvor schon klar besser eingeschätzte aktuelle Lage konnte nur +1.6 auf +28.4 Zähler zulegen. Die Erwartung für die Eurozone gewann ebenfalls kräftig um +21.6 auf -32.5 Punkte, die Lage-Einschätzung gab hier jedoch um weitere -7.7 auf -51.8 nach. Dem Empire State Index gelang ebenfalls ein Start über Erwartung, er zog von revidiert +8.19 bei erwarteten 10.- bis auf +13.48 an.

Die US Chain Store Sales erholten sich minimal von 513.6 auf 514.- Punkte. Die US-Produzentenpreise gaben im Dezember leicht nach, die Jahresrate sank von +5.88% auf 4.84%. Die US-Industrieproduktion legte im Dezember mit +0.4% etwas unter Erwartung zu, dafür wurde der November entsprechend höher revidiert. Die Kapazitätsauslastung verbesserte sich von 77.8% auf 78.1%. Der NAHB Housing Index überraschte sehr positiv, statt der erwarteten 21 nach 21 ergaben sich im Januar beim vierten Anstieg in Folge 25 Punkte. Die US Unemployment Claims verbesserten sich sehr kräftig von revidiert 402.000 auf 352.000 Erstanträge. Die amerikanischen Verbraucherpreise blieben im Dezember zum dritten Mal fast unverändert, die Jahresvergleichsrate ging von +3.41% auf +2.98% zurück. Die US-Baubeginne enttäuschten im Dezember mit -4.1% gegen November. Die zukunftsweisenden Baugenehmigungen blieben dagegen mit nur -0.1% stabil. Der PhillyFed-Index enttäuschte, der Vormonat wurde kräftig von +10.3 auf +6.8 abwärts revidiert, aktuell ergab sich wieder ein Anstieg auf +7.3 bei erwarteten 10.- Punkten.

Der Index der deutschen Erzeugerpreise gab im Dezember kräftig nach, die Jahresvergleichsrate sank von +5.2% auf +4.0%, der Gesamtjahresschnitt 2011 lag bei +5.7%. Die US Existing Home Sales setzten mit +3.6% ihren Aufwärtstrend weiter fort - der US-Immobilienmarkt arbeitet sich langsam aus der Talsohle. Der ECRI WLI zog deutlich von revidiert 121.1 auf 123.4 Punkte an, die daraus errechnete zukünftige Wachstumsrate verbesserte sich erstmals wieder. Beim Baltic Dry kam es mit nur noch 893 per Donnerstag zum dramatisch schnellen Unterschreiten der 1000er Marke. Der Harpex gab drei Pünktchen von 399 auf 396 ab.

Fazit: Der KID im Januar 2012

... zeigt inzwischen eine erneut leichte Verbesserung seines nun mehrmonatigen "zarten Aufwärtshäkchens" - aber noch keine hohe Aufwärtsdynamik. Man darf sich also sehr wahrscheinlich auf eine zähe Wende gefasst machen, selbst das grüne Aufwärtssignal ist im Berichtszeitraum um einen Monat weiter nach Rechts gewandert. Das klassische Pullback auf den ehemaligen Abwärtstrend D ist zunächst erfolgreich verlaufen (obere Grafik roter Pfeil). Der untere Rand des beim letzten Absturz unterschrittenen Aufwärtstrendkanals A wurde jedoch noch nicht wieder zurück erobert - stellt also weiterhin noch einen Widerstand dar (obere Grafik grüner Pfeil). Wir befinden uns nach wie vor in der "Grauzone", ein erneuter Aufschwung fände aber erst mit dem Wieder-Erreichen des "grünen Bereichs" statt. Insofern liegen die derzeit von Instituten und dem BMWi vertretenen Thesen eines Plus-Nullkomma-X-Wachstums 2012 für den Jahresanfang so falsch nicht. Die daran gehängte Schlussfolgerung einer anschließenden weiteren Verbesserung ist aber bis dato noch reiner Zweckoptimismus, dem jede reale Substanz fehlt.

Primär hat sich die Stimmung aufgehellt, was allemal positiv ist. Die harten Daten liefern unterm Strich bislang nur eine relative Stabilisierung mit weiterhin noch ganz leichter Abwärtsrichtung. Der KID-Oszillator legt dazu nahe, dass höhere Aufwärtsdynamik durchaus noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Die "Normalzone" hat den konjunkturzyklischen Rücksetzer mit etwas Mühe erfolgreich abgefedert (untere Grafik roter Pfeil). Der Oszillator sich jetzt knapp wieder über die alte Abwärtstrendlinie geschwungen - aber am harten rechten Rand wirklich überzeugend ist auch das bislang noch nicht (untere Grafik grüner Pfeil). Der KID insgesamt liefert zwar meist einen nützlichen Zeitvorlauf, was zuletzt wieder an ifo, ZEW, ECRI oder OECD gut erkennbar wurde, leider variiert dabei jedoch die jeweilige Länge dieses Vorlaufs, sodass bei nur zwölf Monatsdaten pro Jahr und vier BIP-Quartalen zwar zukünftige Wendepunkte und Richtungen recht genau, der exakte Startpunkt einer neuen Bewegung jedoch gelegentlich um etliche Wochen zeitversetzt schwanken kann.

Betrachtet man unter dieser Prämisse die Differenz des unrevidiert geschätzten BIP mit dem aktuellen KID, so sollte sich die Schwäche des vierten Quartals zum guten Teil noch mindestens in den Januar hinein verlagern. Die mit dem Jahresanfang sichtlich verbesserte Stimmung muss also noch einige mit Zeitversatz nachfolgende harte Daten für mindestens Dezember und Januar verkraften. Eine noch knapp schwarze Null mit anschließender Erholung scheint dabei ansatzweise schon eingepreist. Nicht jedoch ein möglicher kurzer "Rezessions-Dip" ins negative Terrain - der momentan vor bzw. in der angezeigten Wende nicht sicher ausgeschlossener werden kann. Falls demnächst noch einige überraschend schwache Daten folgen sollten, wird sich daran erst erweisen, ob die Stimmungswerte das aushalten. Und ob die momentan scheinbar relativ "entspannte Ruhe" der Märkte nicht in Wirklichkeit unter der Oberfläche noch ziemlich stark angespannt ist. Im ersten Quartal 2012 scheint damit vieles möglich und wenig konkret prognostizierbar. Die weiter wachsenden Divergenzen in der Entwicklung der Euro-Staaten bergen zusätzliches Anspannungspotenzial. Das angezeigte Aufwärtssignal muss ergo bald weiter ins Plus führen, sonst droht uns erstmal nur zähes Ringen um die Null - oder sogar ein erneuter Rücksetzer.

Damit zu den Märkten,

... wo US- wie deutsche Aktien und Renten zwar zum Jahresstart etwas Bewegung zeigten, diese kam jedoch bei mit wenigen Ausnahmetagen relativ geringen Volumina zustande. Der VDAX signalisiert zudem eine offensichtliche Sorglosigkeit, die zunächst keine große Kursschwankungsbreite mehr antizipiert. Auch hohe Unsicherheit könnte der eigentliche Grund hierfür sein. Frisches Kapital, Aufbruchsstimmung zu Jahresbeginn und ein sichtlich milder Winter haben für einen optisch ansprechenden Jahresstart gesorgt. Aber noch ist trotz regional sehr früher Krokusse nicht Frühlingserwachen, die Stimmung muss noch einige Winterstürme aushalten. Ein sensibler Punkt nähert sich mit dem 20. März, bis dahin wird eine 14.5 Mrd. Euro schwere Griechenlandanleihe (WKN A0T6US bzw. „My Big Fat Greek Bond“) fällig - auf der täglich im Trend der neuesten politischen Nachrichten und Gerüchte heftig gezockt wird. Die Euro-Schuldenkrise hat damit einen weiteren Zielpunkt.

Mit fortgesetztem Anti-Euro-Feuer der US-Rating-Propaganda zur Zerschlagung der europäischen Stabilisierungs- und Reformbemühungen ist sicher zu rechnen. Sentix brachte zum nächste Woche beginnenden chinesischen Drachenjahr das prophetische Wortspiel eines 2012 endlich feuerspeienden "europäischen Draghi", der nicht mit "Gelassenheit" weiter zulassen wird, dass das böse Spiel der grundsätzlich reformunwilligen US-Mafia weite europäische Steuergeld-Millarden über den Atlantik zieht und hier permanent zu zerstören sucht, was man im eigenen Lande nicht ansatzweise selbst zustande bringt. Hohe Unsicherheiten beherrschen das "große Bild" - und werden damit selbst zu einer unkalkulierbaren Einflussgröße für Konjunktur und Märkte, in Form von in jeder Richtung möglichen selbsterfüllenden Prophezeiungen. Sparen ohne Wachstumsbremse gleicht der Quadratur des Kreises. Und die beim Handelsblatt-Insiderbarometer befragten Topmanager deutscher Großunternehmen zeigen trotz steigender DAX-Notierungen antizyklisch wachsende Skepsis. Binnen weniger Tage titelte das Handelsblatt zwei Artikel mit jeweils unterschiedlichen befragten Anlegerzielgruppen einmal mit "2012 wird gut" und einmal "2012 wird schlecht". Damit ist zwar Gerechtigkeit und Chancengleichheit genüge getan, sehr viel weiter führt das analytisch gepflegte Stochern im Nebel aber nicht. Einfacher wäre es, zuzugeben, dass in manchen Phasen eine konkrete Prognose schlicht schwer möglich ist.

Bei Industriemetallen und Agrarrohstoffen ist bislang nicht erkennbar, ob hier eine Wende oder lediglich eine Aufwärtskorrektur in noch intakt laufenden Abwärtstrends stattfindet. Krasse Warnzeichen dagegen setzten die Frachtratenindices. Der Baltic Dry hat sich gegen Dezemberschluss täglich weiter fallend inzwischen fast halbiert. Dieser krasse "Fenstersturz" ins Neue Jahr ist ein ernstes Warnzeichen und konjunkturell absolut kein gutes Omen. Der kontinuierliche Reuters-Jefferies-CRB-Index hat die 300er Marke nach kurzem Unterschreiten zweimal erfolgreich behauptet - bleibt aber dennoch weiter im Abwärtstrend. Die Schwellen- und Entwicklungsländer zeigen bis dato noch wenig Ansatz als Weltkonjunkturretter. Die allgemein unentschlossene Unsicherheit zeigt sich am deutlichsten beim WTI Crude Oil. Hier gab es genug Ansätze zu möglichen Aufwärts- oder Abwärtsbewegungen. Seit nunmehr zehn Wochen mündeten sie jedoch allesamt nur wieder in ein stetig aufgeregtes Pendeln um die 100-USD-Marke.

Was bei unklaren Fundamentals und unsicheren Konjunkturaussichten zuverlässig bleibt, ist die Charttechnik. Hier überwiegen leider auch die Warnzeichen, allein schon anhand der bislang gesehenen erfreulichen Rally. Der DAX hat gerade einen sehr wichtigen Entscheidungspunkt erreicht und seit dem Tief Ende November schon fast 20% Plus gemacht. Heute wurde das Oktober-Top von rund 6430 wieder erreicht, wo aber beträchtlicher Widerstand versammelt ist. Die 200-Tage-Linie, aktuell bei 6360, wurde zwar knapp, aber noch nicht nachhaltig überboten. Der gleitende Zweijahres-Schnitt verläuft seit Mitte 2011 als oberer Rand des bekannten "dicken Bretts 5800-6400" waagrecht wie ein "Sargdeckel" genau am heutigen Top über dem Markt. Hinzu kommen einige Trendlinien bzw. Horizontalwiderstände. Im Fazit ergo ein typischer "Make-or-break"-Punkt. Ein Ausbruch nach oben scheint nur mit deutlichem Volumen erfolgversprechend. Und er würde bereits bei aktuell gut 6700 bereits auf den oberen Rand des dominanten mittelfristigen Abwärtstrends parallel zur 200-Tage-Linie treffen. Ein wirklich hartes Stück Arbeit in einem zunächst noch unsicheren Umfeld.

Der MDAX hat immerhin schon seine harte Zone aus 200-Tage- und Zweijahres-Schnitt unter sich gelassen, nähert sich aber damit wieder der magischen 10.000 an und zeigt in der Marktbreite mit der AD-Linie noch klar divergente Schwäche - wenige starke Einzeltitel ziehen hier den Index. Der TecDAX befindet sich noch mitten in seiner zähen Zone zwischen 710 und 800 Punkten. Der S&P 500 hat sein "dickes Brett" zwischen 1130 und 1220 und die fallende 200-Tage-Linie bei rund 1255 unter sich gebracht, den oberen Rand des dominierenden Abwärtstrends aber ebenfalls noch nicht überboten. Krasse Unterschiede demonstrieren in Europa insbesondere der FTSE 100 gegenüber dem schwächlich wirkenden CAC 40. China und Südamerika sowie einige Next11-Schwellenl?nder haben klar Boden gut gemacht, Süd- und Osteuropa und der Nikkei 225, gerade erst unterwegs in Richtung 200-Tage-Schnitt bei 9000 Punkten, zeigen weiter relative Schwäche. Im Fazit sehen wir noch keine einheitlich positive Entwicklung der weltweiten Aktienindices. Ob der relativ optimistische Frühstart der Aktienmärkte die Turbulenzen der kommenden Monate unbeschadet durchstehen wird, ist zumindest zweifelhaft.

Konjunkturskepsis zeigen weiterhin die seit Monaten relativ stabilen Rentenmärkte. Allgemein rückläufige Inflationsraten wirkten hier zusätzlich stützend. Dem Bund-Future gelang es nicht mehr, nachhaltig über 140.- hinaus zu kommen, erst die Aktienrally führte zu etwas mehr Gewinnmitnahmen. Vice versa zur weiteren Entwicklung der Aktienmärkte stehen hier bei 138, 136 und 134 gestaffelte Unterstützungen. Sollte der Wind am Aktienmarkt drehen, wird sicher schnell wieder Kapital in die vermeintlich sicheren niedrigst rentierlichen Renten fließen. Der tobende "Währungskrieg" brachte Dollar und Yen gegen Euro inzwischen an den jeweils oberen Rand ihres Jahrestrends, wo prompt Gewinnmitnahmen die Korrektur einleiteten. USD/JPY läuft weiter fast waagrecht um 0.77 und wartet auf einen Ausbruch über 0.78, der demnächst noch durch die von oben fallend dazukommende 200-Tage-Linie verschärft wird. Gold schwang sich in Euro wieder bis an 1300.-, während die Dollar-Notierung zunächst noch 1700.- und den ca. 30 Punkte höher verlaufende oberen Rand des Konsolidierungstrends überwinden müsste, um weiteres Potenzial zu erschließen. Die weitere Entwicklung wird sich hier in den nächsten Wochen und Monaten weiter am wechselseitigen Gebrüll der Pro- und Anti-Euro-Drachen orientieren.

Wobei man sich manchmal schon über Intensität und (geschickt manipulierte?) Grundrichtung des alltäglichen Gebrülls wundern darf. Wenn private US-Companies ganz offensichtlich komplette Volkswirtschaften in Not und Elend zu stürzen versuchen, herrscht allgemein weiter heitere Gelassenheit. Falls aber Dirk Nowitzki für die Direktbank bzw. den Discountbroker ING Diba im Werbe-TV eine Scheibe Wurst verspeist, damit er groß und stark wird, oder im Interview nebenbei eine lästige kleine Fliege erschlägt, bricht sofort ein wahrer "Shitstorm" mit Zigzehntausenden von heftigst demokratiebewegt engagierten Beitragen im stets aufmerksam worldwatchenden Asocialmedia-Mainstream los. Da mag die Welt doch 2012 ruhig untergehen, wie es im großen Biene-Maya-Kalender für den 21. Dezember vorhergesagt wurde. Wer hier vorsorgen will, geht statt DAX lieber Lumber Long Call, baut damit auf Termin eine gemütlich seetüchtige Arche, verführt von jeder Gattung Frauen dieser Welt anschließend zwei ausgewählte Exemplare hinein und vergisst natürlich auch nicht, sich dazu vorab rechtzeitig eine ausreichende Deo-Überdosis extra frauenfreundliches "AXE 2012 Final Edition" zu besorgen.

 

Thomas A. Spoerer
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