von Thomas A. Spörer

Paradox in den Karneval
... lieferte zunächst ein unerwartet leicht verbessertes Verbrauchervertrauen in der Eurozone. Ebenfalls sehr positiv überraschend sprang der vorläufige Gesamtindex der europäischen Einkaufsmanager nach 48.3 mit 50.4 wieder über die Wachstumsschwelle. Die Dienstleister legten +1.7 auf 50.5, die Industrie +1.8 auf 48.7 Punkte zu. Auch der deutsche Industrieteilindex sprang mit 50.9 nach 48.4 zurück ins Wachstum, während die Dienstleister mit 54.5 nach 52.4 sogar noch weiter aufwärts klettern konnten. Der TCB Leading Index Germany gab per November leicht um -0.2 Punkte nach. Die US Chain Store Sales fielen kräftig weiter um -1.4% von 514.- auf 507.- Punkte. Der Richmond Fed Index übertraf mit +12 nach +3 Zählern alle Erwartungen, die im Konsens nur bei +6 lagen.
ifo präsentierte mit 108.3 nach 107.3 den dritten Geschäftsklima-Anstieg in Folge mit dem Fazit „Die deutsche Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr.“ Die Lage gab jedoch dabei -0.4 von 116.7 auf 116.3 ab, der Anstieg im Gesamtindex wurde allein von den Erwartungen befeuert, die mit +2.3 von 98.6 auf 100.9 kräftig zulegten. Die Differenz Lage zu Erwartung hat sich zwar verringert, ist aber immer noch hoch, und die zuversichtlichen Erwartungen sind hierbei der weichere Teil. Von Rezessionsangst ist jedenfalls in den Unternehmen derzeit wenig zu spüren. Die US Pending Home Sales gaben im Dezember um -3.5% gegen November nach, der Jahresvergleich lag bei +5.6%. Der FHFA-Hauspreisindex wurde für November mit +1.0% deutlich über Erwartung berechnet. Die US Mass Layoff Statistik fiel per Dezember nur marginal schlechter aus. Der FED FOMC unternahm einen ungewöhnlichen Schritt mit der Ankündigung, dass "die US-Zinsen bis Ende 2014 auf außergewöhnlich niedrigem Niveau bleiben werden". Außerdem sollen zum ersten Mal in der fast hundertjährigen Fed-Geschichte "Zinsprojektionen" publiziert werden, eine Art Fahrplan für die zukünftige US-Notenbankpolitik.
Das deutsche GfK-Konsumklima startete optimistisch ins neue Jahr, Konjunkturerwartungen und Anschaffungsneigung legten spürbar zu, während die Einkommenserwartungen auf hohem Niveau stabil blieben. Der Index stieg daher von revidiert 5.7 auf 5.9 Punkte. Der Rest der Woche lieferte reichlich US-Daten, die Unemployment Claims kamen mit 377.000 nach revidiert 356.000 Erstanträgen wieder normalisiert. Der vorläufige US-Auftragseingang für langlebige Güter lag im Dezember mit 3.0% deutlich über den erwarteten +2.0%. Ex Transport ergaben sich +2.1% bei erwarteten +0.9%. Der Chicago Fed Index sprang nach vier Monaten Tauchfahrt mit +0.17 nach revidiert -0.46 wieder in die Wachstumstrendzone. Der TCB Leading Economic Index wurde umfangreich revidiert und umstrukturiert, er zeigte auf neuer Basis für Dezember einen deutlichen Anstieg von 93.9 auf 94.3 Punkte. Der Kansas City Fed Index sprang ebenfalls kräftig von -4 bzw. revidiert -2 auf +7 Zähler nach oben über die Null.
Die erste Schätzung zum US-BIP im vierten Quartal 2011 brachte eine "deutliche Wachstumsbeschleunigung" nur in der saisonbereinigt annualisierten Jahresrate, die von +1.8% auf +2.8% sprang. Unspektakulär normale Prozentrechnung ergab +0.68% gegen das Vorquartal und +1.56% nach +1.46% beim Jahresvergleich. Es bleibt also das auch von der Fed genannte "moderate Wachstum" und vorläufig eine Jahresrate 2011 von +1.72%. Die New Home Sales gaben im Dezember um -2.2% nach. Das endgültige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für Januar übertraf mit 75.- nach 69.9 auch den Wert zu Monatsmitte von 74.- noch einmal. Der ECRI WLI gab etwas vom letzten Zugewinn wieder ab und sank von 123.3 auf 122.8 Punkte. Der Baltic Dry sackte ungebremst tiefer ab bis 726, er hat damit 2012 in einem Rutsch über 1000 Punkte verloren. Der Harpex verlor zwei Pünktchen von 396 auf 394. Die Aktienmärkte reagierten positiv auf die teils sehr erfreulichen Daten dieser Woche.
Die extrem revisions- und daten-intensive 5. KW
... wurde vom European Sentiment Index eröffnet, der zunächst rückwirkend von 93.3 auf 92.8 abwärts revidiert wurde, um dann wieder auf 93.4 Punkte zu steigen. Das Industrievertrauen blieb dabei mit -7.2 unverändert, die Dienstleister verbesserten sich deutlich von -2.6 auf -0.6 Zähler. Das Verbrauchervertrauen gewann leicht von -21.3 auf -20.6, während das Einzelhandelsvertrauen kräftig von -12.2 auf -15.5 verlor. Der Bausektor legte leicht von -28.9 auf -28.3 zu. Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise wurden für Januar mit +2.0% nach +2.1% geschätzt. Dem Handelsblatt-Insider-Barometer war zu entnehmen, dass sich Unternehmens-Insider momentan völlig aus der Aktienrally heraushalten. Der mild winterliche deutsche Arbeitsmarkt meldete für Januar das erneute Überschreiten der 3-Millionen-Grenze mit 3.082 nach 2.780, die Rate stieg deutlich von 6.6% auf 7.3%. Der deutsche Einzelhandel bilanzierte einen schwachen Dezember mit nominal -1.7% und real -1.4% gegen November, dennoch kann man mit dem Gesamtjahres-Plus von nominal +2.6% und real +0.9% und dem stärksten Zuwachs seit 1994 absolut zufrieden sein.
Die US Chain Store Sales erholten sich minimal, der ICSC-Index stieg von 507.0 auf 507.4 Zähler. Der Case Shiller Hauspreisindex gab per November -1.3% nach, gegen Vorjahr errechneten sich -3.7%. Das TCB US-Verbrauchervertrauen ging, anders als sein Michigan-Pendant, nach dem steilen Dezemberanstieg von höherrevidiert 64.8 wieder auf 61.1 zurück. Die Lage wurde dabei deutlich schlechter eingeschätzt, die Erwartungen blieben fast unverändert. Der Chicago PMI Einkaufsmanagerindex schwächte sich auf hohem Niveau leicht von 62.2 auf 60.2 ab. Bei den chinesischen Einkaufsmanagern zeigte sich eine kleine Stimmungsaufhellung, der CFLP-Index legte von 50.3 auf 50.5 zu, das HSBC-Gegenstück blieb mit 48.8 nach 48.7 unter der Wachstumsschwelle. Die europäischen Einkaufsmanager der Industrie brachten ihren Index um +1.9 auf 48.8 Punkte voran, auch der deutsche Teilindex lag mit final 51.- nach 48.4 etwas über Vorabschätzung und anders als die Eurozone wieder im Wachstumsbereich. Frankreichs Industrie zeigte einen leichten Rückgang, Italien und Spanien legten zu. Großbritannien überraschte mit einem kräftigen Aufwärtssprung von 49.7 auf 52.1 zurück ins Wachstum.
Die US Industrie-Einkaufsmanager mussten beim ISM-Index zunächst eine mehrjährige Revision über sich ergehen lassen, die neue Zeitreihe brachte dann einen Anstieg von 53.1 auf 54.1 im Januar, der aber eher stimmungs- als realwirtschaftlich stimuliert scheint. Die US Bauausgaben legten im Dezember mit +1.5% deutlich über Erwartung zu. Die US Unemployment Claims verbesserten sich von revidiert 379.000 auf 367.000 Erstanträge. Deutlich düsterer entwickelte sich der Challenger Report, der mit +28% mehr "Job Cuts" im Januar verstärkte Entlassungen in Banken, Finanzbranche und Einzelhandel ankündigte. Der VDMA brachte vorab einen mit gesamt -10% und sogar -14% aus dem Ausland gegenüber Vorjahr sehr schwachen Auftragseingang im Maschinenbau für Dezember 2011 - ein "hartes" Warnzeichen. Die europäischen Einkaufsmanager der Dienstleister legten +1.6 auf 50.4 Zähler zu, der Gesamtindex stieg wie erwartet mit 50.4 nach 48.3 zurück ins Wachstum. Der deutsche Service-Sektor schaffte final 53.7 nach 52.4, was den Gesamtindex um +2.6 auf 53.9 Punkte auf Sieben-Monats-Hoch hebelte. Die US-Einkaufsmanager im Service-Sektor jagten ihren Non-Manufactoring-ISM von 53.- auf 56.8 in die Höhe. Rezession ist hier kein Thema mehr.
Der US-Arbeitsmarkt zeigte überraschend starken winterlichen Schwung. Die Nonfarm-Payrolls wiesen 243.000 neu geschaffene Stellen ex Landwirtschaft aus, die gesamte Statistik wurde über zehn Jahre revidiert. Damit scheint nun wieder Anschluss an die guten Zahlen von Anfang 2011 gefunden. Die Arbeitslosenzahl ging trotz ansteigender Labor Force auf das Niveau von Februar 2009 zurück, die Arbeitslosenrate sank zum siebten Mal in Folge und von 8.51% auf 8.26%. Die ebenfalls revidierten durchschnittlichen Stundenlöhne zogen weiter an. Die endgültigen US-Dezember-Auftragseingänge zogen zwar an, blieben mit gesamt +1.15% aber unter den Erwartungen. Die langlebigen Güter blieben im Rahmen der Erstschätzung bei +3.0%, Verbrauchsgüter gingen jedoch um -0.4% zurück. Insgesamt errechneten sich ex Transport +0.6%, Investitionsgüter als Messgröße für zukunftsorientierte Unternehmensausgaben konnten sich jedoch nach zuvor -1.5% mit +3.1% sehr vital zurückmelden.
Die Summe positiver US-Daten wirkte als Treibsatz an den Märkten, Aktien aufwärts, Renten abwärts. Der ECRI WLI verbesserte sich revidiert 122.7 auf 123.1 Punkte. Das monatliche US-Inflationsbarometer USFIG zog per Januar deutlich von revidiert 98.9 auf 101.2 an. Sein jeweils einen Monat zurückhängendes europäisches Gegenstück EZFIG ging per Dezember von 97.7 auf 97.- zurück. Der Baltic Dry rutschte weiter extrem durch bis 647. Der Harpex verlor erneut zwei Punkte auf 392. Als revisions- und datenreiches Januar-Fazit bleibt eine kräftig aufwärts weisende Stimmungsverbesserung, während die harten Daten bislang lediglich erst eine waagrechte Stabilisierung zeigen. Die von John Hussmann sowie dem ECRI Institut weiter aufrecht erhaltenen "US Recession Calls" stehen damit zwar inzwischen "hart an der Kante", scheinen aber trotzdem noch nicht ganz endgültig vom Tisch.
... brachte einen frühlingshaft gewaltigen Erwartungsaufschwung im Konjunktur-Sentix mehr oder weniger quer durch alle Regionen, der den globalen Gesamtindex von +1.8 auf +10.3 ansteigen ließ. Eine gewisse Brisanz liegt darin, dass es sich (noch) nicht um einen Konjunktur- sondern vorrangig um einen Erwartungsaufschwung handelt. So sprangen die Euroland-Erwartungen um satte +17.25 von -23.5 auf -6.25 Punkte nach oben, während sich die Lagewerte nur um magere +3.0 von -18.75 auf -15.75 verbessern konnten. Stimmung zieht Realwirtschaft - jedoch findet dies in zuverlässiger Form meistens bei deutlich tieferen Lagewerten statt. Hier müsste nun die Lage kräftig "nachliefern", sonst droht bald Enttäuschung, denn der Erwartungsanstieg war der Stärkste seit Anfang 2009. Dies gilt vornehmlich für Asien (ex Japan) und Lateinamerika, während die Anstiege für die USA deutlich abgeschwächt ausfielen. Der deutsche Gesamtindex sprang von +10.0 auf +22.0 Punkte, die krasse Diskrepanz wird am hohen Lagewert von +41.4 nach +37.0 im Vergleich zu den Erwartungen mit trotz hohem 18-Punkte-Anstieg nur +4.1 nach -14.0 Punkten überdeutlich sichtbar. Frech könnte man diese Zahlen zusammenfassen mit dem Satz "Es geht uns für eine Krise quasi viel zu gut".
Der deutsche Auftragseingang als Schlüsselgröße lieferte für Dezember mit saison- und kalenderbereinigt +1.7% nach revidiert -4.9% eine leichte Erholung bei unterdurchschnittlichem Anteil an Großaufträgen. Maßgeblich war das Plus der Auslandsorders mit +4.3%, das sich jedoch differenziert mit -6.8% aus der Eurozone und +12.3% aus Nicht-Euro-Ländern zusammensetzte. Die Inlandsbestellungen gingen um -1.4% zurück, Investitionsgüter legten +2.8%, Konsumgüter +1.9% zu. Aufschlussreicher ist hier der direkte Jahresvergleich beim Volumenindex, der insgesamt aktuell glatt 0.00% nach -4.3% im November sowie +1.2% nach -0.2% aus dem Inland und -0.8 nach -7.6% aus dem Ausland zeigte - wir sind hier zwar etwas erholt, aber deutlich weiter am Nullwachstum. Bei den harten Daten geht es uns ergo "grad mal so", aber keineswegs "viel zu gut". Die deutschen Produktionszahlen für Dezember unterstrichen dies mit dem stärksten Einbruch seit drei Jahren, der mit -2.9% das von "Experten" erwartete Minus von -0.3% weit unterbot. Speziell der Bausektor brachte es trotz des bis dahin sehr milden Winters auf satte -6.4%. Auch der Export ging mit dem schwächsten Wert seit April 2011 und dem stärksten Rückgang seit Januar 2009 in die Knie, was in den Medien aber durch das Knacken der 1-Billion-Umsatz-Marke im Gesamtjahr übertüncht wurde. Bei erwarteten -1.0% brachen die Exporte kräftig um -4.3% ein, während die Importe mit -3.9% eine ebenfalls sinkende Binnennachfrage anzeigten. Die Summe der harten Schlüsseldaten bestätigt klar die frühzeitige KID-Annahme eines unerwartet schwachen Schlussquartals 2011.
Zur gleichen Erkenntnis kam auch der Handelsblatt-Barclays-Indikator und senkte die Prognose für das vierte Quartal von -0.2% auf -0.4%. Das Startquartal 2012 wurde vorsichtig mit +0.1% taxiert. Die US Chain Store Sales kamen mit +1.8% oder 516.5 nach 507.4 zu Anfang Februar wieder etwas aus der Talsohle des kostenträchtigen Jahreswechsels. Die US Unemployment Claims verbesserten sich von revidiert 373.000 auf 358.000 Erstanträge. Die endgültigen deutschen Verbraucherpreise wurden für Dezember mit 2.1% etwas über Vorabschätzung berechnet. Das US-Handelsbilanzdefizit kam für Dezember mit +3.7% oder 48.8 Mrd. USD erneut über Erwartung. Unter Erwartung blieb das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan zur Monatsmitte mit 72.5 nach 75.- Punkten. Die Zukunftserwartungen gaben dabei nur leicht nach, die Lage wurde jedoch deutlich schwächer beurteílt. Der ECRI WLI konnte sich etwas weiter von revidiert 123.0 auf 123.3 Punkte verbessern. Beim Baltic Dry gab es nach dem Tief bei 647 den ersten Anstieg in 2012 überhaupt bis auf 715, der Harpex wurde per 4.2. erneut um zwei Zähler tiefer mit 390 berechnet.
... zeigte eine leichte Aufhellung im OECD Gesamt-Frühindikator für Dezember von 100.2 auf 100.4 Punkte. Einen Riesensatz nach oben absolvierte dagegen der ZEW-Index, die Konjunkturerwartungen sprang um satte 27.0 von -21.6 auf +5.4 Punkte und den höchsten Stand seit Mai 2011. Die aktuelle Lagebeurteilung zog ebenfalls kräftig um +11.9 von +28.4 auf +40.3 Zähler an, die stark inverse Divergenz ist hier ganz offensichtlich. Auch die Erwartungen für die Eurozone erholten sich mit +24.4 von -32.5 auf nun -8.1 sehr stark, die Lage zog nur um +2.7 von -51.8 auf -49.1 an. Die hohe "Spannung im Gebälk" ist unübersehbar, folgt man der optimistischen Stimmung, war die ganze Schuldenkrise "nur geträumt". Das Handelsblatt-Insider-Barometer berichtete von Aktien-Verkäufen in bzw. gegen den laufenden Markttrend. Die deutschen Großhandelspreise zogen im Januar um +1.2% gegen Dezember an, die Jahresrate blieb mit +3.0% unverändert.
Die Weekly US Chain Store Sales verloren mehr als den ganzen Zugewinn der Vorwoche und rutschten von 516.5 auf 506.2 ab. Entsprechend enttäuschten die monatlichen US Retail Sales im Januar mit nur +0.4% statt der erwarteten +0.9% deutlich, die drei Vormonate wurden dazu noch abwärts revidiert. Etwas besser als erwartet kam das deutsche BIP im vierten Quartal, das bei der Wachstumsdynamik mit -0.18% gegen Vorquartal nicht die vorhergesagten -0.25% erreichte. Der Jahresvergleich liefert damit +2.03% im 4. nach +2.70 im 3., +2.92% im 2. und +4,63% im 1. Quartal sowie ein vorläufiges Gesamtjahreswachstum von +3.07%. Wobei eine Revision zwar noch aussteht, dennoch kann man damit zufrieden sein, die KID-Erwartungen wurden klar überboten und die angezeigte Schwäche zu Jahresende wird sich noch in 2012 hinein weiter auswirken. Frankreich meldete überraschend sogar ein Plus von +0.2%, sodass die Eurozone insgesamt, gestützt durch die beiden größten Volkswirtschaften, mit vorläufigen -0.3% noch glimpflich davonkam.
Der Empire State Index übertraf die Erwartungen von 15.0 mit aktuell 19.53 nach 13.48 Punkten kräftig und stieg auf ein neues Hoch seit Mitte 2010. Die US Industrieproduktion überraschte dagegen nur durch Stagnation im Januar, die Kapazitätsauslastung gab minimal nach. Der NAHB Housing Index überraschte beim 5. Anstieg in Folge wiederum sehr positiv mit 29 nach 25 bei erwarteten 26 Zählern. Die US Unemployment Claims verbesserten sich von revidiert 361.000 auf 348.000 Erstanträge. Der Index der US Produzentenpreise wurde mehrjährig revidiert, der Januar ergab einen kleine Anstieg bei weiter fallender Jahresrate mit aktuell +4.14% nach 4.83%. Die US Baubeginne legten kräftig um +1.5% zu, der schwache Dezember wurde dazu sehr deutlich aufwärts revidiert. Die zukunftsweisenden Baugenehmigungen blieben mit +0.7% etwas unter Erwartung. Der PhillyFed Index kam mit +10.2 nach +7.3 etwas über Erwartung.
Die deutschen Erzeugerpreise zogen im Januar energiebedingt wieder an, die Jahresrate sank dennoch von +4.0% auf +3.4%. Die US Verbraucherpreise kletterten im Januar merklich, aber auch hier gab die Jahresrate, zuvor langjährig revidiert, trotzdem etwas weiter von +3.00% auf +2.93 nach. Der TCB Leading Index wurde zunächst aufwärts revidiert und legte mit 94.9 nach 94.5 noch eins drauf. Beim ECRI WLI änderte sich mit 123.5 nach 123.6 und 123.4 zuletzt kaum etwas, nur die errechnete Wachstumsrate verbesserte sich langsam weiter. Der Baltic Dry legte erst leicht bis 734 zu und gab zum Schluss (per Donnerstag) auf 723 Punkte nach. Der Harpex rutschte erneut ab von 390 auf 379 Zähler.
Fazit: Der KID im Februar 2012
... zeigt durch inzwischen erfolgte zahlreiche Revisionen zugrundeliegender Zeitreihen leichte Verschiebungen im Gesamtbild sowie im Berichtszeitraum eine weitere leichte Erholung gegenüber Januar - die zu Monatsbeginn jedoch noch positiver aussah. In der heutiogen Momentaufnahme bleibt es knapp um Haaresbreite noch bei einem Wieder-Überwinden der Linie A mit kaum erkennbarem Vordringen zurück in den "grünen Bereich". Was daraus zukünftig aber werden wird, bleibt ungewiss. Der Pullback ist gelungen, für einen erneuten Aufschwung wäre aber die erfolgreiche Rückeroberung des "grünen Bereichs" unabdinglich - sonst bleibt es weiter beim Dümpeln in der Grauzone um Null. Der KID Oszillator zeigt inzwischen zunehmend mehr Dynamik und hat im Februar gut die Hälfte der "Normalzone" hinter sich gelassen. Durch den großen Vorlauf dürften wir aber erst im weiteren Jahresverlauf tatsächlich in den Genuss dieser Entwicklung kommen, vorher sind noch mögliche und auch wahrscheinliche Frühjahrsstürme zu überstehen. Hier reicht eine zweite kleine Abwärtsbewegung mit zunächst sehr zäher Seitwärtskonsolidierung noch weit in 2012 hinein. Einige Geduld wird also leider bezüglich unserer Konjunktur wohl erforderlich sein - von der in den Stimmungsdaten und Aktienmärkten aber kaum etwas zu spüren ist.
Schaut man auf die Details, so ist die Stimmungsaufhellung erfreulich deutlich. Die harten Daten aber sind summa summarum und im Durchschnitt bisher erst lediglich in eine mehrmonatig waagrechte Seitwärtsbewegung übergegangen, der beim besten Willen noch keinerlei neue Richtung zu entnehmen ist. Entsprechend steht diese fundamental wichtige Richtungsentscheidung noch aus und bleibt bis heute völlig offen. Anders als in Euroland ist für Deutschland auf dieser Basis zur Zeit keinerlei Rezessionsgefahr mehr erkennbar. Das neueste ifo-Weltwirtschaftsklima spricht jedoch auch von einer insgesamt nur sehr zögerlichen Erholung der Weltkonjunktur im weiteren Jahresverlauf.
Die gegenwärtige Gesamtsituation ist in sich paradox. Stimmung und Zukunftserwartungen waren tief in den Keller gegangen, die aktuelle Lage-Einschätzung speziell in Deutschland aber gleichzeitig weit oben verblieben. Inzwischen haben sich die Sentimentwerte wieder deutlicher erholt - liegen aber immer noch sehr tief unter der Lage. Wohin also sollte die verbesserte Stimmung unsere Konjunktur ziehen ? Eine erneute Annäherung ist im Zeitlauf natürlich sicher - aber wer zieht dann wen und in welche Richtung ? Diese Frage bleibt angesichts der asymmetrisch-unüblichen Gemengelage zunächst ungeklärt. Zumal die im Konsens für 2012 erwarteten +0.5% bis 1.0% Wachstum keineswegs nur "eine kleine Delle im fortgesetzten deutschen Boom" darstellen, sondern zunächst nur einem unsicheren Pendeln ziemlich dicht oberhalb der konjunkturellen Abrisskante zur Rezession gleichkommen. Reichliche Liquidität und hoffnungsvoller Optimismus sind per se nichts Schlechtes, allein machen sie aber noch keinen dauerhaften Aufschwung.
Als momentanes Fazit bleibt: einer sich weit unterhalb der Lage-Einschätzung befindlichen Stimmungsverbesserung ist es grundsätzlich technisch nur sehr schwer möglich, die hoch darüber schwebende aktuelle Lage erfolgreich weiter nach oben zu ziehen. Speziell Deutschland demonstriert dabei passend zum Höhepunkt der Karnevalssaison teils rauschhafte Zustände. Die Eurokrise ist abgehakt - schwebt aber mindestens noch bis zum 20. März weiter als Damoklesschwert über allem. Und auch danach bleiben viele Probleme schlicht ungelöst. Das Handelsblatt brachte kürzlich mehrere Seiten zu den treuherzig erklärten europäischen "Schuldenbremsen". Abgesehen von der Frage, warum die Mehrzahl europäischer Staatspolitiker überhaupt zuerst jahrelang frohen Sinnes ungebremst in immer höhere Verschuldung hineingerasselt sind, bleibt als ernüchterndes Fazit, dass es sich zwar um wild entschlossene Willenserklärungen handelt, die aber praktisch garnicht ansatzweise realistisch umsetzbar sein werden. Allein Frankreich müsste ab sofort das Doppelte seines jährlichen Militäretats streichen und einsparen, andere Länder gleich ein noch höheres Vielfaches davon. Praktisch bleibt also nur eine blanke Absichtserklärung zu zukünftig strikter Haushaltdisziplin. Die quasi der eines Alkoholikers gleicht, der zur dauerhaften Rettung seines gewohnten Party-Etats eine konsequente Flaschenhalsverengung verspricht.
Auch sonst sind wir alles andere als auf einem guten und sicheren Weg, wenn als Notmaßnahme zur Stromnetz-Stabilisierung energie-intensive Teile der Industrieproduktion zeitweise stillgelegt bzw. herunter gefahren werden, um den Blackout in Spitzen zu vermeiden - und die resultierenden wirtschaftlichen Einbußen dann mit Zahlungen aus Steuergeldern an die Unternehmen kompensiert werden. Auch die Wiederinbetriebnahme uralter und längst stillgelegter Öl- und Kohle-Kraftwerke aus den 60er und 70er Jahren ist kein ökologischer Fortschritt, sondern ein zwangsweise notgetrieben krasser Rückschritt zu bereits technologischer Vorvergangenheit angehörenden Dreckschleudern - Energiewende paradox. "Yes, we pay!" ist ein amtlicher deutscher Slogan geworden, viele heimische Medien beschäftigen sich intensiv und anteilnahmsvoll mit den drastischen Folgen der Sparmaßnahmen in Euro-Staaten, die zuvor jahrelang absichtlich gelogen, mit gefälschten Bilanzen betrogen und ungehemmt zu niedrigen Zinsen weit über ihre Verhältnisse konsumiert und investiert haben. Stets in der Hoffnung, das sich am Ende doch noch ein Dummer findet, der die Party solidarisch bezahlt und sich dafür dann auch noch als unangemessen autoritär, undemokratisch oder nationalistisch anpöbeln lässt. Hier steht uns noch einiges bevor, auf dem Weg zurück in die Wirklichkeit - denn wir sind keine Insel weit oberhalb aller Meereswellen. Und in den USA feiert man zeitgleich hell begeistert die endlich wieder wachsende Vergabe von Verbraucherkrediten als gutes Zeichen - also direkt für die nächste Krise.
... wo billiges Geld in rauen Mengen inzwischen einerseits unzweifelhaft Tatsachen geschaffen hat, andererseits aber gleichzeitig paradoxe Widersprüche entweder konsequent ignoriert oder schnell verharmlost werden. "Die Konjunkturdaten sind gut" - solange man von teils sehr schwachen harten Daten absieht. Der Nikkei schwingt sich über die 200-Tage-Linie - obwohl das japanische BIP im vierten Quartal herbe enttäuschend ausfiel. Die Konjunktur kommt weltweit in Fahrt - Industrie- und Agrarrohstoffe im Schnitt jedoch noch längst nicht wirklich. Öl läuft trotz aller hohen Erwartungen tendenziell noch immer seitwärts - und wird bislang eher von Spannungen und Kriegsängsten getragen als von der Weltkonjunktur. Die Frachtraten sind extrem gefallen - wegen spontan schlagartigen Überkapazitäten zu Jahresbeginn. Der DAX steigt, ifo und ZEW zeigen klare Stimmungsverbesserungen - aber die Unternehmens-Insider verkaufen weiter konsequent Aktien. Die Aktienmärkte sind hoffnungsfroh weit und früh in Vorleistung getreten - aber wird die Konjunktur auch bald liefern ? Das bleibt nach wie vor eine völlig unbeantwortbare Frage. Und kaum stört ein Gerücht oder kleinerer Zwischenfall das schöne Gesamtbild, steht der Bund-Future sofort wieder oben knapp unter 140.- Punkten, wo die Spitzen unadjustiert nun seit fast einem Dreivierteljahr liegen.
Es wäre unvernünftig und riskant, sich gegen den laufenden Markttrend stellen zu wollen. Wie Stimmung und Aktienmärkte die nächsten Monate mitsamt möglichen Frühjahrsstürmen überbrücken wollen, bleibt unklar. Sie können das, denn viele ehemalige widerstände sind inzwischen zu Unterstützungen geworden. Dass sie aber müssen und auch wollen und werden, dafür gibt es leider keine Garantie. Der KID zeigt eine klare Aufwärtswende, der aber noch Dynamik und der Ausbruch nach oben fehlen, um einen wirklichen neuen Aufschwung als soliden Träger für Aktienmarktentwicklung und Rohstoffzyklus zu liefern.
Somit bleibt wieder hauptsächlich nur die weiter verbesserte Technik. Umsatzvolumen und Nachfrage sind mit den Kursen gestiegen. Der DAX hat das "dicke Brett" aktuell zwischen rund 5900 und 6400 sowie die 200-Tage-Linie, das Herbst-Top und den steileren mittelfristigen Abwärtstrend erfolgreich unter sich gelassen, ohne damit nennenswert Mühe zu haben. 6800 bereits sind erreicht, der Weg scheint frei für 7000 oder 7250 Punkte. Dem MDAX gelang genauso leicht der Ausbruch über 200- und 500-Tage-Durchschnitt zwischen 9300 und 9500 sowie der mühelose Sprung über die 10.000er Marke. Der S&P 500 läuft schon auf sein 2011er Hoch zu, die asiatischen und lateinamerikanischen sowie die Next-11- und Schwellenländer-Indices haben zuletzt kräftig Boden gutgemacht. Alle Krisen scheinen endgültig beendet, die Welt ist wieder komplett in Ordnung - aber stimmt das so tatsächlich bereits ? Oder sind wir einfach alle nur bis zum nächsten finanzpolitischen Aschermittwoch voll mitten drin im Karneval ?
Thomas A. Spoerer
& Team