von Thomas A. Spörer

... "Akropolis Adieu" in May ?
... begann mit dem HSBC China Flash-PMI, der vorab mit 49.1 nach revidiert 48.3 wieder klar verbessert gemeldet wurde. Die Indices der europäischen Einkaufsmanager mussten dagegen einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen, "unerwartet" fiel der Industrie-Teilindex um -1.7 von 47.7 auf 46.- Zähler. Die Dienstleister rutschten um -1.3 von 49.2 auf 47.9 ab, der vorläufige Gesamtindex sank von 49.1 auf 47.4 deutlich tiefer ins rezessive Nicht-Wachstum. Der deutsche Industriesektor fiel mit -2.1 von 48.4 auf 46.3 auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren. Die Dienstleister zeigten eine kleine Verbesserung um +0.5 von 52.1 auf 52.6, der Gesamtindex errechnete sich vorläufig mit -0.7 von 51.6 auf 50.9 Punkte. "Waren wir zu optimistisch?" fragte die ARD völlig zurecht, da im "Experten-Konsens" statt des Einbruchs leichte Anstiege erwartet worden waren. Die US Chain Store Sales holten den Verlust der Vorwoche mit 550.7 nach 546.2 fast wieder auf.
Der Case Shiller Index der US-Hauspreise ging im Februar weiter zurück, gegen Vormonat um -0.8% und gegen Vorjahr um -3.5%. Der FHFA-Hauspreisindex wurde für Januar abwärts revidiert und konnte im Februar +0.3% aufholen. Die New Home Sales gaben im März um -7.1% nach - was aber zuvor noch schlimmer befürchtet wurde. Der Richmond Fed Index überraschte positiv, erwartet wurden +6 nach +7 Punkten, stattdessen ergab sich per April ein Stand von +14 Zählern. Die Mass Layoff Statistik fiel durchwachsen aus, die Zahl der angekündigten Massenentlassungen ging zurück, die der davon Betroffen legte leicht zu. Das TCB US-Verbrauchervertrauen zeigte sich (Zitat) "virtually unchanged", der Märzwert wurde von 70.2 auf 69.5 herunter revidiert, der April 69.2 Punkte. Unterm Strich ergo ein Rückgang, bei dem sich die Erwartungen abschwächten, die Lage-Einschätzung aber zulegen konnte. Die vorläufigen US-Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter blieben im März mit -4.2% weit unter Erwartung, es war der stärkste Rückgang seit über drei Jahren, erwartet wurden -1.5% bis -1.7%. Ex Transport ergaben sich -1.1% bei erwarteten +0.5%, ex Rüstung sogar -4.6%. Der FED-Offenmarktausschuss zeigte erstaunlichen Optimismus und verzichtete angesicht einer "erwarteten schnellen Erholung" zunächst auf weitere Konjunkturspritzen.
Für Experten "überraschend" verschlechterten sich die europäischen Sentimentwerte, der Composite Index ESI verlor -1.7 auf 92.8 Punkte. Allein der Einzelhandel zeigte mit -11.4 nach -12.0 noch eine leichte Verbesserung, alle anderen Sektoren schwächten sich ab. Gravierend war der Rückgang im Industrievertrauen von -7.1 auf -9.0 und bei den Dienstleistern von -0.3 auf -2.4, das Verbrauchervertrauen sank von -19.1 auf -19.9 und der Bausektor von -26.7 auf -27.4 Zähler. Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise gaben im April auf Jahressicht mit +2.0% nach +2.1% weiter nach.
Die US Unemployment Claims kamen mit 388.000 neuen Erstanträgen etwas schlechter. Der Chicago Fed Index zeigte mit -0.29 nach revidiert +0.07 einen starken Einbruch zurück in den negativen Bereich. Die US Pending Home Sales legten per März mit +4.1% kräftig zu - ein allerdings divergentes Zeichen, da es sich ja um schwebend unabgeschlossene Geschäfte handelt. Der Kansas City Fed Index rutschte mit +3 nach +9 Punkten weiter ab.
Das GfK Konsumklima blieb zwiespältig, die Konjunkturerwartungen konnten etwas zulegen, die Einkommenserwartungen gaben dagegen nach, während die Anschaffungsneigung energiepreisbedingt deutlich zurückfiel. Summa summarum resultierte daraus ein Rückgang im GfK-Index von revidiert +5.8 auf +5.6 Punkte. Das US-BIP enttäuschte in der 1.Schätzung zum 1.Quartal 2012 mit saisonbereinigt annualisiert noch +2.2% nach zuvor +3.0%. Die übliche Berechnungsweise ergab dagegen einen kleinen Anstieg von +2.08% nach +1.61%. Das endgültige US-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für April konnte sich leicht von 76.2 auf 76.4 verbessern, der Mittmonatswert hatte noch bei 75.7 gelegen. Die Lage wurde schwächer eingeschätzt, die Erwartungen stiegen an. Der ECRI WLI konnte mit 124.1 nach revidiert 123.8 minimal wieder aufholen. Der Baltic Dry verbesserte sich zunehmend weiter bis auf 1156, der Harpex gewann +6 von 410 auf 416 Punkte.
... brachte die deutschen Einzelhandelsumsätze für März, die nach zwei schwachen Monaten mit nominal +1.3% und real +0.8% deutlich über Erwartung ausfielen. Der Chicago PMI Einkaufsmanagerindex zeigte mit 56.2 nach 62.2 bei zuvor erwarteten 60.0 einen überraschend krassen Einbruch. Die US Chain Store Sales gingen leicht von 550.7 auf 549.3 zurück. Der ISM-Einkaufsmanagerindex stieg trotz der schwachen Vorgaben der regionalen Indices von 53.4 auf 54.8 Punkte. Die US-Bauausgaben enttäuschten mit einem Mini-Anstieg von nur +0.1% bei erwarteten +0.4%. Der halboffizielle CLFP-China-PMI zeigte mit 53.3 nach 53.1 etwas optimistischere Einkaufsmanager. Erwartet wurden allerdings 53.6 Punkte. Auch die europäischen Einkaufsmanager der Industrie enttäuschten mit einem weiter abgeschwächten finalen Wert von 45.9 nach 47.7 Zählern. Speziell Italien brach heftig von 47.9 auf 43.8 ein, der deutsche Industrie-Teilindex sank von 48.4 auf 46.2 auf ein neues Tief seit Juli 2009. Die Paradoxie aus bester Stimmung und schwachen harten Daten beginnt sich nun aufzulösen - leider ins negative Wachstumsterrain.
Der KID tanzte abgeknickt in nicht stabiler Seitenlage in den Mai - hier droht sogar schon ein erneutes Abwärtssignal. Der deutsche Arbeitsmarkt erlebte im April dennoch die übliche Frühjahrsbelebung, die amtliche Arbeitslosenzahl rutschte mit 2.963 Mio oder -65.000 unter die Drei-Millionen-Grenze, die Rate ging von 7.2% auf 7.0% zurück. Saisonbereinigt zeigten sich jedoch mit +19.000 Arbeitssuchenden und einem Rückgang offener Stellen erste Bremsspuren. Die endgültigen US-Auftragseingänge im März blieben mit -1.5% erwartungsgemäß schwach, der Vormonat wurde dazu von +1.3% auf +1.1% abwärts revidiert. Langlebige Wirtschaftgüter fielen um -4.0% nach zuvor +1.9%, Konsumgüter legten +0.5% zu. Die US Unemployment Claims verbesserten sich von revidiert 392.000 deutlich auf 365.000 Erstanträge. Der Challenger Report verhieß hier jedoch mit +7.1% im Monats- und +11.2% im Jahresvergleich bei den angekündigten Stellenstreichungen nichts wirklich Gutes. Der ISM Einkaufsmanagerindex der Dienstleister rauschte -2.5 von 56.- auf 53.5 Punkte abwärts.
Bei den europäischen Dienstleistern gab einen Rückschlag von 49.2 auf 47.9 Punkte, der Gesamtindex rutschte mit noch 46.7 nach 49.1 deutlich in den rezessiven Bereich ab. Deutschland blieb etwas freundlicher, die Dienstleister brachten es auf 52.2 nach 52.1 Zählern. In Frankreich brachen die Dienstleister mit noch 45.2 nach 50.1 sehr drastisch ein. In Italien ist mit 42.3 im Servicesektor und 43.8 in der Industrie sowie in Spanien mit 42.1 bei den Dienstleistern und 43.5 in der Industrie konjunkturell bereits landunter. Der US Arbeitsmarkt enttäuschte im April - die Erwartungen hatten auch nicht zu den Vorlaufindikatoren gepasst. Außerhalb der Landwirtschaft wurden nur +115.000 neue Stellen geschaffen, erwartet wurden +170.000. Die Arbeitslosenrate sank nur geringfügig von 8.19% auf 8.10%, die durchschnittlichen Stundenlöhne wurden rückwirkend abwärts revidiert und legten im April nur minimal zu. Der ECRI WLI konnte sich erneut etwas von 124.0 auf 124.7 erholen. Das monatliche US-Inflationsbarometer USFIG wurde für März von 101.2 auf 101.5 revidiert und landete im April wieder zurück bei 101.2 Punkten. Das europäische Gegenstück EZFIG zeigte einen Monat zurück für März noch einen Anstieg von aufwärts revidiert 97.6 auf 98.4 beim Inflationsdruck. Crude Oil sank erstmals wieder unter 100.- USD. Der Baltic Dry verharrte kaum bewegt bei zuletzt 1157, der Harpex zog weiter von 416 auf 428 an - hier zeigt sich inzwischen eine Bodenbildung und mögliche Trendwende.
... begann mit einem Konjunktur-Sentix, der für Euroland mit gesamt -24.5 nach -14.7 kräftig und sogar unter das Vorjahrestief einbrach. Die Lage wurde mit -31.5 nach -20.0 und die Erwartungen mit -17.3 nach -9.3 deutlich schwächer eingeschätzt. Hier scheint die Rezession inzwischen unausweichlich. Die deutschen Werte halten sich zwar mit gesamt +16.0 nach +19.1 noch, die Lage verliert auf hohem Niveau nur einen Punkt von +41.3 auf +40.3, die Erwartungen sinken aber auch hier von -1.0 auf -5.8 weiter unter Null. Auch für die USA zeigt sich erneute Schwäche mit gesamt noch +7.7 nach +11.8, die Lage fällt von +17.8 auf +14.0, die Erwartungen nähern sich mit +1.5 nach +6.0 der Wachstumsschwelle. Asien ex Japan zeigt dagegen stabile Werte, während Japan wieder leicht unter Null rutscht. Osteuropa und Lateinamerika werden auf unterschiedlichem Niveau etwas schwächer beurteilt. Massenhaft billige Liquidität macht offensichtlich keinen Konjunkturfrühling, der globale Index sank von +9.2 auf +5.7, die Erwartungen erreichten dabei die Null.
Es folgten als nächste Schlüsselgröße der deutsche Auftragseingang für März, der unerwartet positiv überraschte. Insgesamt betrug das Plus +2.2% gegen Februar, dabei +1.3 aus dem Inland und +3.0 aus dem Ausland mit Schwerpunkt bei den Schwellenländern und stagnierender Eurozone. Investitionsgüter legten entsprechend +4.2% zu, Konsumgüter sogar +5.0%. Das Volumen an Großaufträgen blieb durchschnittlich. Trotzdem muss abgewartet werden, ob sich diese guten Zahlen auch im April weiter fortschreiben lassen oder nur ein Ausreißer waren. Das gilt auch für die überraschend starke deutsche März-Produktion, die mit +2.8% weit über den erwarteten +0.8% ausfiel. Der Bausektor hatte hier mit +30.7% gegenüber Februar witterungsbedingt einen enormen Anteil, Industrie und Konsum steuerten jeweils +1.5%, Investitionsgüter +2.0% bei. Dennoch liegt Deutschland weiterhin in Europa - es kann die unzweifelhaft stark rezessiven Tendenzen für sich hinauszögern und abmildern, sich ihnen aber nicht mehr dauerhaft entziehen.
Die US Chain Store Sales starteten mit 545.0 nach 549.3 um -0.8% schwächer in den Mai, auf Jahresssicht waren dies +3.3% nach zuvor +4.2%. Der deutsche Außenhandel wirkte oberflächlich betrachtet im März mit +0.93% bei den Exporten und +1.15% bei den Importen unverändert weiter im Aufwind. Der Jahresvergleich brachten +0.7% beim Export und +2.6% beim Import. Im Detail zeigt sich jedoch ein Strukturwandel, die Exporte in die Eurozone brachen auf -3.6% ein, während die Importe +2.63% zulegten. Deutschland stützt also auch die Euro-Konjunktur. Der Export in Schwellen- und Non-Euro-Länder zog um +6.1%, die Importe von dort aber nur um +3.5% an. Der OECD Leading Index (gesamt) mühte sich um magere 0.1 Punkte auf 100.5 nach oben, und das auch erst für den März. Das Handelsblatt Insiderbarometer berichtete zwar von einigen antizyklischen Käufen, blieb insgesamt aber klar im neutralen Bereich.
Die US Unemployment Claims lagen mit 367.000 Erstanträgen kaum verändert. Das US-Handelsbilanzdefizit für März legte mit 51.8 nach revidiert 45.4 Mrd USD wieder kräftig zu auf alte Höhen bzw. Tiefen. Die endgültigen deutschen Verbraucherpreise wurden für März mit +2.1% statt vorab +2.0% ermittelt. Die US-Erzeugerpreise sanken energiepreisbedingt im April deutlich, die Jahresrate gab auf +1.89% und damit den niedrigsten Stand seit Ende 2009 nach. Das vorläufige US-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan zeigte sich dementsprechend zur Monatsmitte mit 77.8 nach 76.4 weiter verbessert, wobei die Erwartungen etwas sanken, die aktuelle Lage aber deutlich besser eingeschätzt wurde. Der ECRI WLI startete mit 125.4 nach revidiert 124.6 freundlich in den Mai, die Wachstumsrate blieb aber mit -0.1% nahe Null. Der Baltic Dry ging leicht schwächer bei 1138, der Harpex zog weiter an von 428 auf 440 Punkte. Die deutschen harten Schlüsseldaten dieser Woche waren unerwartet gut, müssen ihre Nachhaltigkeit im derzeitigen Umfeld aber im April noch bestätigen.
Die 20. KW kam mit dem deutschen BIP
... im ersten Quartal 2012, das mit +0.51% gegen Vorquartal oder +1.18% gegen Vorjahr deutlich über den erwarteten nur +0.1% bzw. +0.77% ausfiel. Zwar "strotzt die deutsche Wirtschaft damit nicht vor Kraft", wie die Medien jubelten, hat aber eine drohende Rezession zunächst klar und eindeutig vermieden. Damit besteht die Chance, das Jahr 2012 ohne "rote Zahlen" fortzusetzen, sofern es gelingt, die laufenden rezessiven Tendenzen im Euroland zu überwinden. Frankreich meldete im ersten Quartal eine Stagnation, die Eurozone insgesamt überraschte ebenfalls mit einer schwarzen Null. Damit ist die Kuh zwar noch nicht vom Eis, aber zumindest ist das Eis vorerst gegen Einbrüche stabilisiert. Weniger erfreulich entwickelten sich die ZEW Konjunkturerwartungen, die nach fünf Anstiegen kräftig um -12.6 von +23.4 auf +10.8 Punkte nachgaben. Die Lage konnte sich dennoch leicht um +3.4 Punkte von +40.7 auf +44.1 verbessern. Aber auch hier rutschte der ZEW für die Eurozone um -15.5 von +13.1 auf -2.4 unter Null, während die Lage um -11.2 von -49.0 auf -60.2 durchsackte. Konsolidieren, Sparen und Wachsen zugleich ist wahrlich keine leichte Übung.
Die deutschen Großhandelsverkaufspreise zogen im Jahresvergleich wieder leicht von +2.2% auf +2.4% an. Die US Chain Store Sales gaben weitere -0.8% von 545.0 auf 540.4 nach. Der Empire State Index holte kräftig von +6.6 auf +17.1 auf, erwartet wurde ein Stand von nur +9.0 Zählern. Der Index der US-Verbraucherpreise stagnierte im April, die Jahresrate gab von +2.65% auf +2.30% nach. Die US Einzelhandelsumsätze traten mit nur +0.1% ebenfalls beinahe auf der Stelle. Der NAHB Housing Index stieg von 24 auf 29 Punkte und den höchsten Stand seit fünf Jahren. Frühjahrbedingt umgedrehte Vorzeichen sahen diesmal die US-Immobilien-Schlüsseldaten: während die Baubeginne um +2.6% zulegten, nahmen die zukunftsweisenden Baugenehmigungen kräftig um -7.0% ab. Bei der US-Produktion wurden +0.6% erwartet, was insofern auch fast zutraf, dass zunächst der Vormonat um -0.6% abwärts korrigiert wurde, worauf der April dann +1.1% zulegte. Die Unemployment Claims verharrten unverändert bei revidierten 370.000 Erstanträgen.
Der Philly Fed Index rutschte für Mai mit -5.8 nach +8.5 erstmals seit September 2011 wieder unter die Null-Linie. Selbst der chronisch bullishe TCB US Leading Index verlor diesmal ein ganzes Zehntel von zuvor auch noch leicht abwärts revidierten 95.6 auf nun 95.5 Zähler. Die deutschen Erzeugerpreise zogen im April leicht an, die Jahresrate sank weiter von +3.3% auf +2.4%. Der ECRI WLI rutschte mit 124.5 nach 125.4 abwärts, die Wachstumsrate lag mit +0.4% dennoch minimal über Null. Der Baltic Dry zeigte erneut kaum Bewegung zwischen 1130 und 1137, der Harpex gewann fünf Punkte auf 445 dazu.
... hat sich mitsamt der zum Aktienmarkt gehegten Skepsis auch in dieser "kleinen Wende" bewährt. Die Schwäche über den Jahreswechsel mit anschließend leichter Erholung wurde treffend angezeigt, wenn sich auch die jeweils drei Monatsdaten nicht immer mit den laufenden Quartalen exakt decken. Die Interpretation war bezüglich der Konjunktur zuletzt etwas zu skeptisch, gegenüber den Aktienmärkten war dies jedoch sichtlich angebracht. Skepsis bleibt uns leider auch weiterhin erhalten, trotz eines besser als befürchtet ausgefallenen ersten Quartals 2012. Denn die Märkte wie auch die allgemeine Stimmung reagieren sichtlich auf die nächste Runde der Euro-Endlos-Krise, wie man am ZEW sehr gut nachvollziehen kann, der seine Erholung unter- bzw. ggf. auch schon ganz abgebrochen hat.
Aktuell sehen wir sowohl bei der Stimmung wie auch in den harten Daten eine relative Seitwärtstendenz, der "Stimmungsaufschwung" beim KID verliert deutlich an Dynamik. Deutschland zeigt noch keine Anzeichen einer Rezession, das "Benchmark-Level" des ersten Quartals ist ein gutes Omen. Dennoch besteht kein ersichtlicher Grund oder Anlass, sofort die Jahresprognosen anzuheben. Seitwärts ist eine Richtungsangabe, die zunächst sowohl leicht aufwärts wie auch leicht abwärts fortgeschrieben werden kann. Ähnliches gilt für die Eurozone und Frankreich. Hier regiert, unerwartet erfreulich, die schwarze Null, eine Entscheidung ist aber damit definitiv nicht getroffen, wohin die weitere Reise gehen soll. Trotz einer angesichts der Daten relativ berechtigten Erleichterung ist das Thema Rezession weiter offen und mitsamt der Eurokrise nicht vom Tisch. Europa dümpelt an der Wasserlinie, die schwachen Staaten landunter, Frankreich in der Mitte und Deutschland noch mit Oberwasser.
Optimismus ist hier sicher kein schlechtes Mittel der Wahl, er sollte aber von aufmerksamer Skepsis bezüglich sowohl der zukünftigen Stimmungsentwicklung als auch der realwirtschaftlichen harten Daten begleitet sein. Die politischen Eliten versuchen zu beschwichtigen und appellieren an den paneuropäischen Gedanken, während praktisch nationale Egoismen sichtlich verstärkt im Vormarsch sind. Die Krise treibt ungelöst dahin, der Unmut über Europapolitik und Eurokraten wächst in der tragenden Breite. Das kommt davon, wenn man, politisch von großen Ideen beseelt, völlig versäumt, das Volk vorher um Zustimmung zu fragen oder wenigstens entsprechend abzuwarten, bevor gravierend zukunftsweisende Entscheidungen getroffen werden. So steht der Brüsseler Eurokrat plötzlich ohne Bürger da und versucht verzweifelt wie vergeblich, eine Art "Weimarer Republik im Großformat" durch eine nicht enden wollende Krise zu regieren. Das freut dann freilich auch, weltweit wie ganz nahe, sämtliche Euro-Skeptiker, Euro-Gegner und alle, denen ein tatsächlich vereinigter Wirtschaftsraum von 500 bis maximal 740 Millionen Menschen eher unsympathisch ist.
Das vergangene Jahrhundert hat mehr als überdeutlich bewiesen, dass die "alte Welt" Europa ihre Feínde sowohl außerhalb hat wie auch mitten in sich selbst beherbergt. Auch diese leidvolle Geschichte ist sichtlich noch immer nicht zu Ende geschrieben, und niemand weiß heute, wie sie langfristig einmal ausgehen wird. Ähnliches gilt im kleinsten Maßstab auch für den aktuellen Mai-KID, er schlägt nicht mehr fruchtbar aus wie das Grün der Bäume. Zu Monatsbeginn ging er absolut waagrecht in die Seitenlage, in der aktuellen Momentaufnahme zeigt das Häkchen am rechten Rand eine minimale Aufwärtstendenz. Er läuft aber unterhalb der 50%-Linie B, die deshalb unterbrochen ausgespart wurde und auch deutlich unterhalb des Mittelmaßes. Insgesamt liegt er damit noch im "grünen Bereich", könnte aber vom aktuellen Stand aus sowohl erneut steigen als auch relativ schnell wieder zurück in die "Grauzone" abgleiten - was dann auch einem neuen Negativsignal entspräche. Der KID-Oszillator hat ebenfalls an Fahrt verloren, er hat sein vorhandenes Potenzial bis jetzt nicht voll ausgereizt und zeigt stattdessen ein winziges Wendehäkchen, das aber noch viel zu schwach ausgeprägt ist. Es liegt auch zeitlich bereits weit in Richtung Jahresende, sodass bei entsprechendem Vorlauf 2012 noch Wachstumspotenzial vorhanden wäre. Im Fazit kann man sich das Aufwärtsrevidieren von 2012er Prognosen und erst Recht für 2013 aber zunächst sparen, es bleibt jetzt nur das Abwarten vor allem auf weiter verbesserte harte Daten und erneute politische Richtungsentscheidungen für die weitere Entwicklung 2012.
... die weiter überwiegend vom hilflosen Herumgehampel der Europolitik dominiert werden und damit leider fortgesetzt mit einiger Vorsicht und Skepsis betrachtet werden müssen - was sich auch in diesem Berichtszeitraum erneut als völlig richtig bestätigt hat. Auf der Longseite war im DAX wahrlich kein Frühlingsblumentopf zu gewinnen, die rein liquiditätsgetriebene "Stimmungsaufhellung ohne größere innere Substanz" löste sich im weißen Nebel des politischen Tagesgeschehens zusehends auf. Damit haben sich die Märkte wieder der realen Tatsachenlage der insgesamt unsicheren Weltkonjunktur und der ungelösten Eurozonenprobleme angenähert. Am deutlichsten wird dies wohl beim WTI Crude Oil, das nach dem Bruch des im Herbst 2011 begonnenen Aufwärtstrends erst durch die 100.- rauschte und dann direkt weiter durch die 200-Tage-Linie bei z.Zt. knapp 97.- auf den 2-Jahres-Schnitt bei rund 92.50 USD aufschlug. Hier und bei 90.- finden sich zwei wichtige Unterstützungsmarken. Immerhin helfen sinkende Energiepreise auch der Konjunktur und bremsen dazu die Inflation - außer in Ländern wie Deutschland, das seine Energiekosten sinnlos immer weiter durch künstliche Verknappung, Subventionskosten und dynamisch wachsende "Steuern auf alles" in die Höhe treibt - und z.B. die Benzinpreisexplosion zukünftig durch "strenge bürokratische Überwachung" mit weiteren unnützen Kosten belegt, ohne dass sich dadurch praktisch irgendetwas am Preis ändern würde.
Der DAX hat den 2-Jahres-Schnitt bei ca. 6550 und seinen mittelfristigen Aufwärtstrend bei z.Zt. knapp 6450 diese Woche endgültig gerissen und ist nach dem euphorischen Ausflug wieder an der 200-Tage-Linie bei 6200 angekommen. Dieser gleitende Durchschnitt selbst hat gerade erstmals wieder leicht nach oben gedreht und bietet damit zunächst Unterstützung. Die nächste wichtige Marke liegt direkt unterhalb der 6000 bei 5950, wo zwei lange gleitende Durchschnitte auf 20 Punkte nah zusammen verlaufen. Der Supportbereich zwischen 5950 und 6200 wird ergo jetzt zur Schicksalsfrage, die gesamte Zone zwischen 5000 und 7400 ist dazu relativ sauber und durch mehrfaches Passieren auch gründlich in 200-Punkte-Horizontalen aufgeteilt. Relativ gelassen zeigt sich momentan noch der MDAX, er notiert weiterhin über der 10.000er Marke und über seinen 200- und 500-Tage-Linien, die bei und über 9500 Unterstützung bieten. Auch der TecDAX sieht relativ stabil aus, er hat sein Seitwärtsband, das "dicke Brett" zwischen rund 720 und 800 Punkten, seit Jahresbeginn überhaupt nur tageweise verlassen. Die DAX-EuroStoxx-Ratio sollte man auch weiterhin scharf im Auge behalten - Deutschland ist eben keine Insel allein mitten in Europa.
Dem Nikkei ist sein steiler Neujahrsausflug bis gut 10.200 Punkte absolut nicht bekommen, mehr als zwei Drittel sind im gleichen Tempo schon wieder verloren gegangen. Dabei wurden alle drei zuvor "eroberten" langen gleitenden Durchschnitte ungebremst wieder nach unten durchschlagen. Dem S&P 500 gelang zwar zuvor ein euphorischer Ausbruch über die 2011er Tops. Er sieht im US-Wahljahr auch technisch noch klar stabiler aus als andere Indices. Seine schon länger steigende 200-Tage-Linie bei rund 1280 ist noch ein Stück entfernt, sein "dickes Brett" zwischen 1140 und 1250 bietet darunter noch weiteren Support - dennoch wackeln auch in den USA wieder Stimmung und Konjunkturdaten. Ob erneute geldpolitische Maßnahmen die nachgebende Stimmung an den US-Aktienmärkten aufs Neue befeuern könnte, bleibt reine Spekulation und damit mehr als ungewiss. Unsicherheit und (Geld)Politik dominieren also das Geschehen - "Sell in April and go away in May" hat sich bislang damit auch weiter bestätigt. Aktienindices funktionieren aufwärts einfach nicht wirklich nachhaltig, wenn die harten Konjunkturdaten nicht aufwärts vor- oder wenigstens mitlaufen - ein Fazit, das beim KID schon ganz am Anfang seiner Existenz getroffen wurde.
Der Bund-Future macht derweil umständehalber das Unmögliche möglich, nach schließlichem Überwinden der bisherigen "141-Plus"-Barriere ging es zügig weiter Richtung 144.- und ein Ende scheint mehr als unkalkulierbar. Im Umkehrschluss verdient der deutsche Staat inzwischen sogar noch an seiner Verschuldung, selbst die amtliche Inflation liegt inzwischen sehr weit über dem verbliebenen traurigen Renditerest von Bundesanleihen. Schöner kann doch eine explodierende Papiergeldparty eigentlich für Finanzpolitiker garnicht mehr sein - es folgt direkt ein königlicher Lohn auch noch der bösen Tat. Fast erstaunlich dagegen die auch saisonal mitbedingten, derzeit aber gänzlich party-frei langen Gesichter bei den Freunden der edleren Metalle, die dem laufenden Abwärtstrend der Rohstoffe und dem Dollarkurs brav mit folgten. Die aktuelle Massenflucht in die in jeder Hinsicht hochriskanten Fastnull-Renditen von Staatsanleihen oder wenigsten noch versuchsweise in kleine sonst oft verschmähte Aktiendividenden erscheint auf dem derzeitigen finanzpolitischen Hintergrund doch mindestens ein wenig heillos. Seltsam mutet auch der Streit zwischen Bundesrechnungshof und Bundesbank an - ersterer verlangt von der Zweitgenannten, die im Ausland seit nach 1945 "sicher verwahrten" deutschen Goldreserven doch endlich einmal auf ihre reale Existenz zu überprüfen und bei dieser Gelegenheit sogar konkret zu zählen statt sie wie alle Jahre wieder nur irgendwie grob zu schätzen - ein im gutmenschlich neuen Deutschland natürlich völlig politisch-inkorrektes Ansinnen.
"Akropolis Adieu" spielt im Original-Liedtext zwar im September und die weißen Rosen waren damals auch schon verblüht. Dennoch droht hier ein gecovertes Remix zum aktuellen Film und der Euro steht damit an einem Scheideweg. Trotzdem oder gerade deswegen schien EUR/USD sich regelrecht zäh und hartnäckig mit aller Kraft an die 1.30er Marke zu krallen. Der befürchtete Absturz führte bis dato auch nur fast zurück an das Jahrestief von 1.2624 am Jahresanfang. Der EUR/USD 20-Jahres-Schnitt liegt derzeit bei rund 1.1850 in Lauerstellung. Eher heimlich still und leise ging inzwischen ausgerechnet das britische Pfund deutlich kräftiger ab, es hat bei 0.80 aber nun auch einen wichtigen Entscheidungspunkt erreicht, wo erst unterhalb der Range 0.80 bis 0.78 wieder Potential frei werden würde. Das Gleiche gilt für EUR/YEN bei glatt 100.- ebenfalls. USD/YEN ähnelte im Verlauf dem Nikkei, der Steilflug von 0.76 auf 0.84 korrigierte genau um die Hälfte, inzwischen hängt das Währungspaar wieder mittig zwischen steigender 200-Tage- und fallender 500-Tage-Linie. Die Rohstoffwährungen verloren preisbedingt an Dynamik, ebenso wie die meisten Exoten. Neu und erstmals erschienen hier am deutschen Markt handelbare YUAN-Anleihen, sog. "Dim Sum Bonds" (von der KfW sowie HSBC), mit denen man neben kleiner Rendite auf eine Aufwertung der chinesischen Währung gegen Euro setzen kann. Vor jeglichem Setzen sollte man sich jedoch darüber klar werden, dass man am Devisenmarkt derzeit an einer Art politischem Roulette teilnimmt, bei dem der Euro diesmal ausnahmsweise genau in der Mitte der Trommel steckt, wo sich sonst eigentlich die Achse befindet. Ein Finger ständig am Abzug ist Pflicht, um nicht von plötzlichen politischen Wendungen kalt erwischt zu werden - und im Zweifelsfall gewinnt ohnehin immer die Bank.
Thomas A. Spoerer
& Team