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Wirtschaftsindikatoren

Frühindikatoren -
Leading Indicators

Chart ab 1990:

Frühindikatoren

Quelle /URL:

The Conference Board

Veröffentlichung:

monatlich, Ende des Monats, 10:00 EST, 16:00 MEZ

Revisionsfaktor:

monatlich werden die letzten sechs Monate revidiert; jährlich findet eine umfassende Revision der gesamten Zeitreihe statt; eine Revaluierung des Index wurde im Januar 2012 publiziert (siehe unten).

Auswirkung:

Nicht besonders; die Finanzmärkte reagieren nicht empfindlich auf den Bericht, da die einzelnen Komponenten schon im vorhinein gemeldet wurden und zudem eine zeitliche Verzögerung besteht.

Worauf ist zu achten:

  • Es existiert die Faustregel, dass drei aufeinander Monate mit rückläufigen Werten ein Anzeichen ist, dass die Wirtschaft in eine Rezession fällt.
Stärken:
  • Der Frühindikatorenindex sagt Rezessionen ordentlich vorher, die acht Rezessionen seit 1950 wurden erfolgreich prognostiziert (Stand - bevor das NBER Ende November 2001 die Rezession seit März 2001 ausgerufen hatte).

Schwächen:

  • Aber obwohl die vergangenen Rezessionen erfolgreich angekündigt wurden, gibt der Index häufig falsche Signale. So geht der Spruch umher, dass die Frühindikatoren 9 der letzten 6 Rezessionen erfolgreich antizipiert haben. ;-)
  • Die Vorlaufzeit von einem Wendepunkt des Index aus kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Kurze Beschreibung:

Der Composite-Index ist gewichtet und besteht aus zehn verschiedenen Schlüsselindikatoren, das Basisjahr des Index ist seit dem Berichtsmonat März 2008 das Jahr 2004 (2004 = 100). Er soll die konjunkturellen Bedingungen in nächster Zukunft voraussagen; die Vorlaufzeit soll 6-9 Monate betragen. Grundsätzlich dreht der Index nach unten vor einer bevorstehenden Rezession und dreht nach oben vor einer Phase der Expansion. Bevor man aber von tatsächlichen Wendepunkten spricht, müssen die Veränderungen von signifikantem Umfang und Dauer sein.

Mit der Publikation des Berichtsmonats Dezember im Januar 2012 wurde der Index neu bewertet. Zuletzt wurde eine solche Umgestaltung 1996 durchgeführt. folgende Veränderungen wurden notiert:

  1. der Leading Credit Index™ (LCI) wurde ab 1990 für die inflationsbereinigte Geldmenge M2 hinzugenommen
  2. die "Zulieferer"-Komponente des ISM-Indexes wurde durch den Subindex "Auftragseingänge" ausgetauscht.
  3. der Erwartungsindex des Verbrauchervertrauens nach Lesart der Universität Michigan wurde durch einen Index der Verbrauchererwartungen für die konjunkturelle Situation und Lage der Unternehmen ersetzt. Dabei sind beide Anteile gleich gewichtet; herangezogen werden die Verbraucherbefragung der Universität Michigan wie die des Conference Boards.
  4. die Auftragseingänge für zivile Investitionsgüter werden jetzt ohne Flugzeugbau verwendet

Der Frühindikatorenindex enthält nun folgende zehn Komponenten, gelistet nach ihrer Bedeutung für den Index (Gewichtung Januar 2012):

  1. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im verarbeitenden Gewerbe (0,2781)
  2. ISM Index, Auftragseingänge (0,1651)
  3. Verbrauchersentiment - Konjunkturerwartung, erwartete Aussicht für Unternehmen (0,1551)
  4. Zinsspanne zwischen den 10-jährigen Anleihen und dem Zinssatz der Fed Funds Rate (0,1069)
  5. Die Auftragseingänge für Konsumgüter im verarbeitenden Gewerbe, inflationsbereinigt (0,0811)
  6. Leading Credit Index™ (0,0794)
  7. Der S&P 500 (0,0381)
  8. Auftragseingänge zivile Investitionsgüter ex Flugzeugbau (0,0356)
  9. Die durchschnittlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (0,0334)
  10. Die Anzahl der privaten Baugenehmigungen (0,0272)

Der Leading Credit IndexTM soll dabei diverse Aspekte der Finanzmärkte abdecken, er beinhaltet:

  1. Zinsswap (2Y)
  2. Zinsdifferenz LIBOR (3M) - Treasury Bills
  3. Wertpapierkredite, inflationsbereinigt, der Broker
  4. Fed Senior Loan Officer Survey (Prozentsatz der Banken mit einer engeren Kreditlinie für große Unternehmen)
  5. AAII Investor Sentiment Survey (Differenz % Bullen-Bären)
  6. Flow of Funds Accounts: Umfang der ausstehenden Wertpapierpensionsgeschäfte

Quelle: Using a Leading Credit Index to Predict Turning Points in the U.S. Business Cycle (December 20, 2011
Levanon, Gad, et al.; The Conference Board Economics Program Working Paper No. 11-05.

Die Gewichtung der einzelnen Komponenten im "alten" wie "neuen" Index differiert erheblich; hier die Gegenüberstellung:

Komponenten Januar 2012   Komponenten Dezember 2011
Pos. "neuer" Index Faktor   "alter" Index Faktor Pos.
1 Wochenarbeitszeit im verarb. Gewerbe 0,2781   Wochenarbeitszeit im verarb. Gewerbe  0,2737 2
2 ISM Index, Auftragseingänge  0,1651   ISM Index, Zulieferer  0,0717 5
3 Verbrauchersentiment, gewichtet 0,1551   Verbrauchersentiment, Erwartungen, Uni Michigan 0,0296 8
4 Zinsspanne 0,1069   Zinsspanne 0,1052 3
5 Konsumgüter, Auftragseingänge 0,0811   Konsumgüter, Auftragseingänge 0,0817 4
6 Leading Credit Index™  0,0794   Geldmenge M2, inflationsbereinigt 0,3230 1
7 S&P 500  0,0381   S&P 500  0,0370 6
8 Auftragseingänge zivile Investitionsgüter ex Flugzeugbau  0,0356   Auftragseingänge zivile Investitionsgüter 0,0195 10
9 Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung  0,0334   Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung  0,0322 7
10 Baugenehmigungen  0,0272   Baugenehmigungen  0,0264 9


Eine einfache Faustregel besagt, dass drei aufeinanderfolgende Monate, in denen der Index rückläufig ist, ein Anzeichen sind, dass die Wirtschaft in eine Rezession fällt. Das Conference Board selber billigt eine so einfache, feste Regel nicht. In der Ausgabe vom Januar 1997 des Business Cycle Indicators wird als verlässliches, aber nicht perfektes Rezessionsanzeichen ein 1%iger Rückgang (2% auf Jahresbasis umgerechnet) gekoppelt mit Abschlägen bei der Mehrzahl der 10 Komponenten diskutiert.
Die Veröffentlichung der Daten beinhaltet zudem noch die "coincident indicators", die die momentane konjunkturelle Situation beschreiben, und die "lagging indicators", die die zurückliegenden wirtschaftlichen Bedingungen widerspiegeln.
Die "coincident indicators" bestehen aus vier Serien wie die nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung, die Industrieproduktion, Umsätze im Handel und verarbeitenden Gewerbe und zuletzt die persönlichen Einkommen abzüglich "transfer payments", die die aktuelle, konjunkturelle Situation wieder geben. Der Jahresvergleich dieses Indikators bietet eine gute Annäherung an das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes.
Die "lagging indicators" bestehen aus sieben Zeitreihen, wie den Veränderungen der Lohnkosten im verarbeitenden Gewerbe, der Höhe der industriellen Darlehen, Änderungen des CPI - Dienstleistungen, durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit, Quotient Lagerbestände/Umsätze MTIS, Diskontsatz, Quotient Verbraucherkredite/private Einkommen. Veränderungen dort untermauern Wendepunkte und weisen auf mögliche strukturelle Ungleichgewichte der Wirtschaft hin.
Die "coincident" und "lagging" Indikatoren eignen sich zur Wendepunktvorhersage nicht besonders, aber sie helfen das gesamtwirtschaftliche Bild zu vervollständigen.

Bis 1995 wurde der Index fast 30 Jahre vom US-Handelministerium erstellt; seither wird vom Conference Board, einem privaten Institut, ein Index der Frühindikatoren errechnet, der eine grössere Ansammlung von Daten enthält. Alle bereits erwähnten Indikatoren werden unter dem Titel "Business Cycle Indicators" veröffentlicht.

Termine 2011: 20.1. 17.2. 17.3. 21.4. 19.5. 17.6. 21.7. 18.8. 22.9. 20.10. 18.11. 22.12.
  Dez. Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov.
Termine 2012: 26.1. 17.2. 22.3. 19.4. 17.5. 21.6. 19.7. 17.8. 20.9. 18.10. 21.11. 20.12.
  Dez. Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov.

weitere Charts:

Frühindikatoren mtl. % 1 Jahr      
Frühindikatoren, 6-Monatswachstumsrate 1990 1980    
Frühindikatoren (Index) 1995 1980    

 

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